Abdo Shanan
"Dry"

Edward W. Said Days 2021: Culture and Power

Fotoausstellung

Abdo Shanan wurde als Sohn einer algerischen Mutter und eines sudanesischen Vaters in Algerien geboren. Im Alter von neun Jahren zog er mit seiner Familie nach Libyen. Dort redete er sich 18 Jahre lang ein, Algerier zu sein, während sein Vater auf seiner sudanesischen Identität bestand. Mit 28 Jahren zog Shanan wieder nach Algerien und begann, seine Vorstellungen von Zugehörigkeit zu hinterfragen. 

„Ich fühlte mich wie eine Insel innerhalb einer Gesellschaft, mit der ich weniger gemeinsam hatte, als ich dachte.“ Wie kann eine Insel mitten im Ozean existieren? Ist der trockene Boden der Insel selbst stark genug, um dem Wasser standzuhalten, oder toleriert das Meer lediglich die Existenz und Anwesenheit der Insel? Oder handelt es sich vielmehr um einen Kompromiss, bei dem beide Seiten auf Ansprüche verzichten, um gemeinsam existieren zu können?

Dry setzt sich mit den vielen „Inseln“ auseinander, denen Shanan in den vergangenen Jahren begegnet ist: Lamia zum Beispiel, die mit sechs Jahren aus Algerien nach Frankreich auswanderte und jeden Sommer für einen Besuch zurückkehrte – bis sie erwachsen und ihre Beziehung zur algerischen Gesellschaft komplizierter wurde. Oder M’mmar, der seit 45 Jahren in der Diaspora lebt und nur nach Algerien zurückkehren will, um dort zu sterben und begraben zu werden – „weil es ein guter Ort zum Sterben ist“. Mit Dry möchte Abdo Shanan bei seinem Publikum Unbehagen hervorrufen: Wir sollen hinterfragen, was uns über Zugehörigkeit und nationale Identitäten beigebracht wurde – was sollen diese sozialen Konstrukte überhaupt bedeuten?

Abdo Shanan

Abdo Shanan wurde 1982 in Algerien geboren und studierte zunächst Telekommunikationstechnik im libyschen Sirte. Nach einem Praktikum bei der Pariser Agentur Magnum Photos veröffentlichte er seine erste Fotoreportage im Magazin Rukh. Seitdem wurden seine Fotografien in zahlreichen Print- und Onlinemedien veröffentlicht. 2015 wurde er für den Magnum Foundation Emergency Fund nominiert, 2016 war seine Fotoserie Diary: Exile beim Addis Foto Fest in der äthiopischen Hauptstadt zu sehen. Im vergangenen Jahr erhielt Abdo Shanan für sein aktuelles Projekt Dry den CAP Prize for Contemporary African Photography; außerdem wurde er als Teilnehmer der Joop Swart Masterclass der World Press Photo Foundation ausgewählt.

Akinbode Akinbiyi

Akinbode Akinbiyi wurde 1946 als Sohn nigerianischer Eltern in Oxford geboren. Seit Anfang der 1970er Jahre arbeitet er als Fotograf und Autor. Sein künstlerischer Fokus liegt auf den großen urbanen Ballungsräumen und Megacities vor allem des afrikanischen Kontinents. Dabei bewegt er sich wie ein Spaziergänger auf Haupt- und Nebenstraßen durch den Alltag dieser Städte, durch ihre Einkaufszentren und Vergnügungseinrichtungen, um Aufnahmen zu machen, die die Lebendigkeit und das Stimmengewirr dieser konfliktbeladenen Räume gewissermaßen zum Klingen bringen. Seine Arbeiten werden weltweit ausgestellt und veröffentlicht. 2016 wurde er mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Akinbode Akinbiyi lebt derzeit in Berlin.

Mehr über Abdo Shanan

Kaelen Wilson-Goldie: Abdo Shanan's Algerian Photographs, in The Paris Review, 16. August 2017

A Little Louder, Fotoprojekt von Abdo Shanan für die Joop Swart Masterclass 2019 der World Press Photo Foundation

The Photographer Abdo Shanan, Interview von Louisa Baumgartel für das Singulart Magazine, 30. Januar 2018