Perspektiven

Neue Horizonte

Wie wird aus vielen einzelnen Elementen ein harmonisches, wohlgeordnetes Ganzes? Auf diese Frage nach der richtigen Perspektive und Proportion suchen auch Musikschaffende von der europäischen Renaissance bis in die Gegenwart immer wieder nach neuen Antworten. Doch nicht nur für Künstlerinnen und Künstler, auch für uns alle als Mitmenschen und politische Wesen ist diese Herausforderung heute noch relevant: Denn anders als in der Musik lassen sich die Komplexität der Welt und ihre ganz realen Dissonanzen nicht immer auflösen. Edward W. Said sah gerade in einem „kontrapunktischen“ Neben- und Miteinander einer Vielzahl unterschiedlicher, unbekannter und womöglich inkongruenter Standpunkte und Erfahrungen einen vielversprechenden Weg, die Welt und uns selbst in ihr besser zu begreifen.

Im Pierre Boulez Saal – der durch seine Architektur fast 700 Blick- und Hörwinkel auf das Geschehen bietet – soll dieser Gedanke auch in der Saison 2020/21 wieder musikalisch gelebt werden: mit neuen, manchmal unbekannten, aber immer bereichernden Perspektiven.

Abbildung: Hans Vredeman de Vries (1527–1609) | Illustration aus Perspective (Leiden, 1604) | Universitätsbibliothek Heidelberg