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  • 00:16:45 Introductory Talk with Thomas Hampson and Ema Nikolovska (in German and English)
  • 00:32:59 Jeeyoung Lim on his relationship with Schubert (in English)
  • 00:35:08 Recital with Jeeyoung Lim and Kunal Lahiry
  • 01:13:44 Hagar Sharvit on her program (in English)
  • 01:16:36 Recital with Hagar Sharvit and Daniel Gerzenberg
  • 02:05:30 Q&A with the evening's artists and Thomas Hampson (in German & English) 

THE SONGS: INTERACTIVE CONTENT

Click on each title to view its text and translation, as well as notes and insights on the poems and poets.

Franz Schubert

      

Atys

Atys

       

Der Knabe seufzt über’s grüne Meer,

Vom fernenden Ufer kam er her,

Er wünscht sich mächtige Schwingen,

Die sollten ihn ins heimische Land,

Woran ihn ewige Sehnsucht mahnt,

Im rauschenden Fluge bringen.

       

„O Heimweh! unergründlicher Schmerz,

Was folterst du das junge Herz?

Kann Liebe dich nicht verdrängen?

So willst du die Frucht, die herrlich reift,

Die Gold und flüssiger Purpur streift,

Mit tödlichem Feuer versengen?

         

„Ich liebe, ich rase, ich hab’ sie gesehn,

Die Lüfte durchschnitt sie im Sturmeswehn,

Auf löwengezogenem Wagen,

Ich musste flehn: o nimm mich mit!

Mein Leben ist düster und abgeblüht;

Wirst du meine Bitte versagen?

         

„Sie schaute mit gütigem Lächeln mich an;

Nach Thrazien zog uns das Löwengespann,

Da dien’ ich als Priester ihr eigen.

Den Rasenden kränzt ein seliges Glück,

Der Aufgewachte schaudert zurück:

Kein Gott will sich hülfreich erzeigen.

            

„Dort, hinter den Bergen im scheidenden Strahl’

Des Abends entschlummert mein väterlich Tal;

O wär’ ich jenseits der Wellen!“

Seufzet der Knabe. Doch Cymbelgetön

Verkündet die Göttin; er stürzt von Höh’n

In Gründe und waldige Stellen.

             

Johann Mayrhofer

Attis

   

With a sigh the youth gazes over the green sea;

He came from a distant shore,

And longs for mighty wings

That would take him in whirring flight

To the homeland

For which he yearns eternally.

    

“O longing for home, unfathomable pain,

Why do you torment the young heart?

Can love not drive you out?

Will you then scorch with your deadly fire

The fruit that ripens gloriously,

Kissed by gold and liquid purple?

    

“I live, I rage, I have seen her;

Like a whirlwind she swept through the air

In a chariot drawn by lions.

I had to entreat: Take me with you!

My life is bleak and barren.

Will you deny my plea?

    

“She looked upon me with a kindly smile;

The lions bore us off to Thrace

Where I serve as her priest.

The madman is filled with blissful happiness;

But when he awakes he recoils in fear:

There is no god to lend his aid.

     

“There beyond the mountain, in the dying rays

Of evening, my native valley begins to slumber.

O that I might cross the waters!”

Thus sighs the youth. But the clash of cymbals

Proclaims the goddess; he plunges from the heights

Into the woods deep below.

    

Translation © Richard Wigmore

Philoktet

Philoktet

          

Da sitz ich ohne Bogen

Und starre in den Sand.

Was tat ich dir Ulysses,

Dass du sie mir entwandt?

          

Die Waffe, die den Trojern

Des Todes Bote war,

Die auf der wüsten Insel

Mir Unterhalt gebar.

     

Es rauschen Vögelschwärme

Mir über’m greisen Haupt;

Ich greife nach dem Bogen,

Umsonst, er ist geraubt!

    

Aus dichtem Busche raschelt

Der braune Hirsch hervor:

Ich strecke leere Arme

Zur Nemesis empor.

     

Du schlauer König, scheue

Der Göttin Rächerblick!

Erbarme dich und stelle

Den Bogen mir zurück.

     

Johann Mayrhofer

Philoctetes

    

I sit here without my bow,

Staring at the sand.

What did I do to you, Ulysses,

That you took from me

    

The weapon that was the harbinger

Of death to the Trojans,

That gave me sustenance

On this desolate island?

     

Flocks of birds sweep

Over my grey head;

I reach for my bow:

In vain, it has been stolen.

     

The brown stag rushes

From the dense thicket;

I stretch bare arms

Up to Nemesis.

      

Cunning king, beware

The vengeful goddess’s gaze!

Take pity

And restore to me my bow.

     

Translation © Richard Wigmore

Memnon

Memnon

    

Den Tag hindurch nur einmal mag ich sprechen,

Gewohnt zu schweigen immer und zu trauern:

Wenn durch die nachtgebor’nen Nebelmauern

Aurorens Purpurstrahlen liebend brechen.

   

Für Menschenohren sind es Harmonien.

Weil ich die Klage selbst melodisch künde

Und durch der Dichtung Glut das Rauhe ründe,

Vermuten sie in mir ein selig Blühen.

   

In mir, nach dem des Todes Arme langen,

In dessen tiefstem Herzen Schlangen wühlen;

Genährt von meinen schmerzlichen Gefühlen

Fast wütend durch ein ungestillt Verlangen:

    

Mit dir, des Morgens Göttin, mich zu einen,

Und weit von diesem nichtigen Getriebe,

Aus Sphären edler Freiheit, aus Sphären reiner Liebe,

Ein stiller, bleicher Stern herab zu scheinen.

    

Johann Mayrhofer

Memnon

   

Constant silence and grieving are my wont;

The whole day long I may speak but once:

When Aurora’s tender crimson rays

Break through the night-begotten walls of mist.

   

To men’s ears this is music.

Since I proclaim my very grief in song,

And transfigure its harshness in the fire of poetry,

They imagine that joy flowers within me.

   

Within me, to whom the arms of death stretch out,

As serpents writhe deep in my heart;

I am nourished by my anguished thoughts,

And almost frenzied with unquiet longing.

    

Oh to be united with you, goddess of morning,

And, far from this vain bustle,

To shine down as a pale, silent star

From spheres of noble freedom and pure love.

    

Translation © Richard Wigmore

Der entsühnte Orest

Der entsühnte Orest

    

Zu meinen Füßen brichst du dich,

O heimatliches Meer,

Und murmelst sanft: „Triumph, Triumph!“

Ich schwinge Schwert und Speer.

     

Mykene ehrt als König mich,

Beut meinem Wirken Raum,

Und über meinem Scheitel saust

Des Lebens goldner Baum.

     

Mit morgendlichen Rosen schmückt

Der Frühling meine Bahn,

Und auf der Liebe Wellen schwebt

Dahin mein leichter Kahn.

      

Diana naht; o Retterin,

Erhöre du mein Fleh’n!

Lass mich, das Höchste wurde mir,

Zu meinen Vätern geh’n!

     

Johann Mayrhofer

Orestes Purified

     

You break at my feet,

Sea of my homeland,

And softly murmur: “Triumph! Triumph!”

I wield my sword and spear.

     

Mycenae honors me as King,

Offers me freedom for my actions;

And above my head rustles

The golden tree of life.

     

Spring adorns my path

With fresh roses,

And my boat glides lightly along

On waves of love.

    

Diana approaches; my savior,

Hear my prayer!

Let me know the highest joy:

Let me return to my fathers.

     

Translation © Richard Wigmore

Die Götter Griechenlands

Die Götter Griechenlands

   

Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder

Holdes Blütenalter der Natur!

Ach, nur in dem Feenland der Lieder

Lebt noch deine fabelhafte Spur.

Ausgestorben trauert das Gefilde,

Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick,

Ach, von jenem lebenwarmen Bilde

Blieb der Schatten nur zurück.

    

Friedrich von Schiller

The Gods of Greece

     

Fair world, where are you? Return again,

Sweet springtime of nature!

Alas, only in the magic land of song

Does your fabled memory live on.

The deserted fields mourn,

No god reveals himself to me;

Of that warm, living image

Only a shadow has remained.

     

Translation © Richard Wigmore

Am Strome

Am Strome

   

Ist mir’s doch, als sei mein Leben

An den schönen Strom gebunden;

Hab’ ich Frohes nicht an seinem Ufer,

Und Betrübtes hier empfunden?

    

Ja, du gleichest meiner Seele;

Manchmal grün und glatt gestaltet,

Und zu Zeiten herrschen Stürme

Schäumend, unruhvoll, gefaltet.

        

Fließest zu dem fernen Meere,

Darfst allda nicht heimisch werden;

Mich drängt’s auch in mildre Lande,

Finde nicht das Glück auf Erden.

      

Johann Mayrhofer

By the River

     

It seems to me that my life

Is bound to the fair river;

Have I not known joy

And sorrow on its banks?

     

Yes, you are like my soul;

Sometimes green and unruffled,

And sometimes lashed by storms,

Foaming, agitated, furrowed.

     

You flow to the distant sea,

And cannot find your home there.

I, too, yearn for a more welcoming land;

I can find no happiness on earth.

     

Translation © Richard Wigmore

Lied (Die Mutter Erde)

Lied (Die Mutter Erde)

   

Des Lebens Tag ist schwer und schwül,

Des Todes Atem leicht und kühl,

Er wehet freundlich uns hinab,

Wie welkes Laub in’s stille Grab.

   

Es scheint der Mond, es fällt der Tau

Auf’s Grab wie auf die Blumenau;

Auch fällt der Freunde Trän hinein

Erhellt von sanfter Hoffnung Schein.

    

Uns sammelt alle, klein und groß.

Die Mutter Erd’ in ihren Schoß;

O säh’n wir ihr ins Angesicht,

Wir scheuten ihren Busen nicht!

    

Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg

Song

     

Life’s day is heavy and sultry,

The breath of death is light and cool;

Fondly it wafts us down,

Like withered leaves, into the silent grave.

     

The moon shines, the dew falls

On the grave as on the flowery meadow;

The tears of friends also fall,

Lit by the gleam of gentle hope.

     

Mother Earth gathers us all, great and small,

In her lap;

If we would only look upon her face

We should not fear her bosom.

     

Translation © Richard Wigmore

Die Sterne

Die Sterne

      

Du staunest, o Mensch, was heilig wir strahlen?

O folgest du nur den himmlischen Winken,

Vernähmest du besser, was freundlich wir blinken,

Wie wären verschwunden die irdischen Qualen!

Dann flösse die Liebe aus ewigen Schalen,

Es atmeten alle in reinen Azuren,

Das lichtblaue Meer umschwebte die Fluren,

Und funkelten Sterne auf den heimischen Talen.

      

Aus göttlicher Quelle sind alle genommen,

Ist jegliches Wesen nicht eines im Chore?

Nun sind ja geöffnet die himmlischen Tore,

Was soll denn das bange Verzagen noch frommen?

O wäret ihr schon zur Tiefe geklommen,

So sähet das Haupt ihr von Sternen umflogen

Und spielend um’s Herz die kindlichen Wogen,

Zu denen die Stürme des Lebens nicht kommen.

     

Friedrich von Schlegel

The Stars

    

You marvel, O man, at our sacred radiance?

If only you followed the heavenly signs you would

Understand better how benignly we twinkle,

How earthly suffering would vanish!

Then love would flow from eternal vessels,

All would breathe the pure azure,

The light-blue sea would lap about the meadows,

And stars would sparkle in our native valleys.

    

All spring from a divine source;

Is not all creation united in the choir?

Now the heavenly gates are open,

Of what avail is timorous despair?

If you had already climbed to the depths

You would see the stars circling around your head,

And the childlike waves, unruffled by life’s storms,

Playing about your heart.

     

Translation © Richard Wigmore

Der Jüngling auf dem Hügel

Der Jüngling auf dem Hügel

      

Ein Jüngling auf dem Hügel

Mit seinem Kummer saß;

Wohl ward der Augen Spiegel

Ihm trüb’ und tränennass.

      

Sah frohe Lämmer spielen

Am grünen Felsenhang,

Sah frohe Bächlein quillen

Das bunte Tal entlang;

     

Die Schmetterlinge sogen

Am roten Blütenmund,

Wie Morgenträume flogen

Die Wolken in dem Rund;

      

Und Alles war so munter

Und Alles schwamm in Glück,

Nur in sein Herz hinunter

Sah nicht der Freude Blick.

      

Ach! dumpfes Grabgeläute

Im Dorfe nun erklang,

Schon tönte aus der Weite

Ein klagender Gesang.

      

Sah nun die Lichter scheinen,

Den schwarzen Leichenzug,

Fing bitter an zu weinen,

Weil man sein Röschen trug.

     

Jetzt ließ den Sarg man nieder,

Der Totengräber kam,

Und gab der Erde wieder,

Was Gott aus selber nahm.

     

Da schwieg des Jünglings Klage,

Und betend ward sein Blick,

Sah schon am schönern Tage

Des Wiedersehens Glück.

     

Und wie die Sterne kamen,

Der Mond heraufgeschifft,

Da las er in den Sternen

Der Hoffnung hohe Schrift.

     

Heinrich Hüttenbrenner

The Youth on the Hill

     

A youth sat on the hill

With his sorrow;

His eyes grew dim

And moist with tears.

     

He watched lambs gambolling happily

On the green hillside,

And brooks rippling merrily

Through the bright valley.

    

Butterflies sipped

At the red mouth of the flowers;

Clouds scudded about

Like morning dreams.

     

And everything was so cheerful,

Bathed in happiness;

His heart alone

Was untouched by the light of joy.

    

Ah, just now the muffled death-knell

Sounded in the village,

And in the distance

A mournful song echoed.

     

Then he saw the lights shining,

And the black cortège;

He began to weep bitterly,

For they were bearing his little Rose.

     

Then they lowered the coffin;

The gravedigger came

And restored to the earth

What God once took from it.

    

Then the youth ceased lamenting,

And his eyes were fixed in prayer;

Already he saw that fair day

When they would be reunited in joy.

     

And as the stars came out

And the moon sailed heavenwards,

He read in those stars high above

A message of hope.

     

Translation © Richard Wigmore

Auf der Bruck

Auf der Bruck

    

Frisch trabe sonder Ruh und Rast,

Mein gutes Ross, durch Nacht und Regen!

Was scheust du dich vor Busch und Ast

Und strauchelst auf den wilden Wegen?

Dehnt auch der Wald sich tief und dicht,

Doch muss er endlich sich erschließen,

Und freundlich wird ein fernes Licht

Uns aus dem dunkeln Tale grüßen.

     

Wohl könnt’ ich über Berg und Tal

Auf deinem schlanken Rücken fliegen

Und mich am bunten Spiel der Welt,

An holden Bildern mich vergnügen.

Manch Auge lacht mir traulich zu

Und beut mir Frieden, Lieb’ und Freude.

Und dennoch eil’ ich ohne Ruh

Zurück, zurück zu meinem Leide.

     

Denn schon drei Tage war ich fern

Von ihr, die ewig mich gebunden,

Drei Tage waren Sonn’ und Stern

Und Erd’ und Himmel mir verschwunden.

Von Lust und Leiden, die mein Herz

Bei ihr bald heilten, bald zerrissen,

Fühlt’ ich drei Tage nur den Schmerz,

Und ach! die Freude musst’ ich missen!

      

Weit sehn wir über Land und See

Zur wärmern Flur den Vogel fliegen;

Wie sollte denn die Liebe je

In ihrem Pfade sich betrügen?

Drum trabe mutig durch die Nacht!

Und schwinden auch die dunkeln Bahnen,

Der Sehnsucht helles Auge wacht,

Und sicher führt mich süßes Ahnen.

     

Ernst Schulze

At Bruck

     

Trot briskly on, my good horse,

Without pause for rest, through night and rain!

Why do you shy at bush and branch

And stumble on the wild paths?

Though the forest stretches deep and dense

It must at last open up,

And a distant light will greet us warmly

From the dark valley.

       

I could cheerfully speed over mountain and valley

On your lithe back,

And enjoy the world’s varied delights,

Its fair sights.

Many an eye smiles at me affectionately,

Offering peace, love, and joy.

And yet, restlessly, I hasten

Back to my sorrow.

     

For three days now I have been far

From her to whom I am eternally bound;

For three days sun and stars,

Earth and heaven, have vanished for me.

Of the joy and sorrow which, when I was with her,

Now healed, now tore my heart,

I have for three days felt only the pain.

Alas, the joy I have had to forgo!

     

We watch the bird fly far away over land and sea

To warmer pastures.

How, then, should love ever

Be deceived in its course?

So trot bravely on through the night!

Though the dark tracks may vanish,

The bright eye of longing is awake,

And sweet presentiment guides me safely onwards.

     

Translation © Richard Wigmore

Auf der Donau

Auf der Donau

    

Auf der Wellen Spiegel schwimmt der Kahn,

Alte Burgen ragen himmelan,

Tannenwälder rauschen geistergleich,

Und das Herz im Busen wird uns weich.

     

Denn der Menschen Werke sinken all’,

Wo ist Turm, wo Pforte, wo der Wall,

Wo sie selbst, die Starken, erzgeschirmt,

Die in Krieg und Jagden hingestürmt?

     

Trauriges Gestrüppe wuchert fort,

Während frommer Sage Kraft verdorrt:

Und im kleinen Kahne wird uns bang,

Wellen drohn wie Zeiten Untergang.

    

Johann Mayrhofer

On the Danube

     

The boat glides on the mirror of the waves;

Old castles soar heavenwards,

Pine forests stir like ghosts,

And our hearts grow faint within our breasts.

     

For the works of man all perish;

Where now is the tower, the gate, the rampart?

Where are the mighty themselves, in their bronze armor,

Who stormed forth to battle and the chase?

     

Mournful brushwood grows rampant

While the power of pious myth fades.

And in our little boat we grow afraid;

Waves, like time, threaten doom.

     

Translation © Richard Wigmore

Die Götter Griechenlands

Die Götter Griechenlands

    

Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder

Holdes Blütenalter der Natur!

Ach, nur in dem Feenland der Lieder

Lebt noch deine fabelhafte Spur.

Ausgestorben trauert das Gefilde,

Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick,

Ach, von jenem lebenwarmen Bilde

Blieb der Schatten nur zurück.

    

Friedrich von Schiller

The Gods of Greece

    

Fair world, where are you? Return again,

Sweet springtime of nature!

Alas, only in the magic land of song

Does your fabled memory live on.

The deserted fields mourn,

No god reveals himself to me;

Of that warm, living image

Only a shadow has remained.

    

Translation © Richard Wigmore

Dass sie hier gewesen

Dass sie hier gewesen

   

Dass der Ostwind Düfte

Hauchet in die Lüfte,

Dadurch tut er kund,

Dass du hier gewesen.

   

Dass hier Tränen rinnen,

Dadurch wirst du innen,

Wär’s dir sonst nicht kund,

Dass ich hier gewesen.

    

Schönheit oder Liebe,

Ob versteckt sie bliebe?

Düfte tun es und Tränen kund,

Dass sie hier gewesen.

    

Friedrich Rückert

That She Has Been Here

   

The east wind

Breathes fragrance into the air,

And so doing it makes known

That you have been here!

   

Since tears flow here

You will know,

Though you are otherwise unaware,

That I have been here!

   

Beauty or love:

Can they remain concealed?

Fragrant scents and tears proclaim

That she has been here!

   

Translation © Richard Wigmore

Fischerweise

Fischerweise

    

Den Fischer fechten Sorgen

Und Gram und Leid nicht an;

Er löst am frühen Morgen

Mit leichtem Sinn den Kahn.

    

Da lagert rings noch Friede

Auf Wald und Flur und Bach,

Er ruft mit seinem Liede

Die gold’ne Sonne wach.

    

Er singt zu seinem Werke

Aus voller frischer Brust,

Die Arbeit gibt ihm Stärke,

Die Stärke Lebenslust.

    

Bald wird ein bunt’ Gewimmel

In allen Tiefen laut

Und plätschert durch den Himmel,

Der sich im Wasser baut.

    

Doch wer ein Netz will stellen,

Braucht Augen klar und gut,

Muss heiter gleich den Wellen

Und frei sein wie die Flut.

    

Dort angelt auf der Brücke

Die Hirtin, schlauer Wicht,

Gib auf nur deine Tücke,

Den Fisch betrügst du nicht!

    

Franz Xaver von Schlechta

Fisherman’s Ditty

     

The fisherman is not plagued

By cares, grief, or sorrow.

In the early morning he casts off

His boat with a light heart.

      

Round about, peace still lies

In meadows and in streams.

With his song the fisherman

Bids the golden sun awake.

       

He sings at his work

From a full, vigorous heart.

His work gives him strength,

His strength exhilarates him.

     

Soon a bright multitude

Will resound in the depths,

And splash

Through the watery heavens.

      

But whoever wishes to set a net

Needs good, dear eyes,

Must be as cheerful as the waves,

And as free as the tide.

     

There, on the bridge, the shepherdess

Is fishing. Cunning minx,

Leave off your tricks!

You won’t deceive this fish!

     

Translation © Richard Wigmore

Schäfers Klagelied

Schäfers Klagelied

   

Da droben auf jenem Berge,

Da steh’ ich tausendmal,

An meinem Stabe hingebogen

Und schaue hinab in das Tal.

   

Dann folg’ ich der weidenden Herde,

Mein Hündchen bewahret mir sie.

Ich bin herunter gekommen

Und weiß doch selber nicht wie.

    

Da stehet von schönen Blumen

Die ganze Wiese so voll.

Ich breche sie, ohne zu wissen,

Wem ich sie geben soll.

    

Und Regen, Sturm und Gewitter

Verpass’ ich unter dem Baum,

Die Türe dort bleibet verschlossen;

Doch alles ist leider ein Traum.

     

Es stehet ein Regenbogen

Wohl über jenem Haus!

Sie aber ist fortgezogen,

Gar weit in das Land hinaus.

     

Hinaus in das Land und weiter,

Vielleicht gar über die See.

Vorüber, ihr Schafe, vorüber!

Dem Schäfer ist gar so weh.

     

Johann Wolfgang von Goethe

Shepherd’s Lament

    

On yonder hill

I have stood a thousand times,

Leaning on my staff

And looking down into the valley.

    

I have followed the grazing flocks,

My dog looks after them for me,

I have come down here

And do not know how.

    

The whole meadow is so full

Of lovely flowers;

I pluck them without knowing

To whom I shall give them.

     

During rain, storm, and tempest

I just sit under the tree.

The door there remains locked;

For, alas, it is all a dream.

     

There is a rainbow

Above that house!

But she has moved away,

To distant regions.

     

To distant regions and beyond,

Perhaps even over the sea.

Move on, sheep, move on!

Your shepherd is so wretched.

    

Translation © Richard Wigmore

Der Jüngling und der Tod

Der Jüngling und der Tod

    

Der Jüngling

Die Sonne sinkt, o könnt ich mit ihr scheiden,

Mit ihrem letzten Strahl entfliehen!

Ach diese namenlosen Qualen meiden

Und weit in schönre Welten ziehn!

O komme, Tod, und löse diese Bande!

Ich lächle dir, o Knochenmann,

Entführe mich leicht in geträumte Lande!

O komm und rühre mich doch an!

     

Der Tod

Es ruht sich kühl und sanft in meinen Armen,

Du rufst, ich will mich deiner Qual erbarmen.

    

Josef von Spaun

The Youth and Death

    

The Youth

The sun is sinking; O that I might depart with it,

Flee with its last ray:

Escape these nameless torments,

And journey far away to fairer worlds!

O come, death, and loose these bonds!

I smile upon you, skeleton;

Lead me gently to the land of dreams!

O come and touch me, come!

     

Death

In my arms you will find cool, gentle rest;

You call. I will take pity on your suffering.

     

Translation © Richard Wigmore

Des Mädchens Klage

Des Mädchens Klage

     

Der Eichwald braust, die Wolken ziehn,

Das Mägdlein sitzt an Ufers Grün,

Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,

Und sie seufzt hinaus in die finstere Nacht,

Das Auge vom Weinen getrübet.

     

„Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer,

Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr,

Du Heilige, rufe dein Kind zurück,

Ich habe genossen das irdische Glück,

Ich habe gelebt und geliebet!“

      

Es rinnet der Tränen vergeblicher Lauf,

Die Klage, sie wecket die Toten nicht auf;

Doch nenne, was tröstet und heilet die Brust

Nach der süßen Liebe verschwundener Lust,

Ich, die Himmlische, will’s nicht versagen.

      

„Lass rinnen der Tränen vergeblichen Lauf,

Es wecke die Klage die Toten nicht auf!

Das süßeste Glück für die trauernde Brust,

Nach der schönen Liebe verschwundener Lust,

Sind der Liebe Schmerzen und Klagen.“

      

Friedrich von Schiller

The Maiden’s Lament

    

The oak-wood roars, the clouds scud by,

The maiden sits on the verdant shore;

The waves break with mighty force,

And she sighs into the dark night,

Her eyes dimmed with weeping.

    

“My heart is dead, the world is empty

And no longer yields to my desire.

Holy one, call back your child.

I have enjoyed earthly happiness;

I have lived and loved!”

    

Her tears run their vain course;

Her lament does not awaken the dead;

But say, what can comfort and heal the heart

When the joys of sweet love have vanished?

I, the heavenly maiden, shall not deny it.

    

“Let my tears run their vain course;

Let my lament not awaken the dead!

For the grieving heart the sweetest happiness,

When the joys of fair love have vanished,

Is the sorrow and lament of love.”

    

Translation © Richard Wigmore

Lied eines Schiffers an die Dioskuren

Lied eines Schiffers an die Dioskuren

    

Dioskuren, Zwillingssterne,

Die ihr leuchtet meinem Nachen,

Mich beruhigt auf dem Meere

Eure Milde, euer Wachen.

    

Wer auch fest in sich begründet,

Unverzagt dem Sturm begegnet,

Fühlt sich doch in euren Strahlen

Doppelt mutig und gesegnet.

    

Dieses Ruder, das ich schwinge,

Meeresfluten zu zerteilen,

Hänge ich, so ich geborgen,

Auf an eures Tempels Säulen.

     

Johann Mayrhofer

Boatman’s Song to the Dioscuri

    

Dioscuri, twin stars,

Shining on my boat,

Your gentleness and vigilance

Comfort me on the ocean.

    

However firmly a man believes in himself,

However fearlessly he meets the storm,

He feels doubly valiant and blessed

In your light.

     

This oar which I ply

To cleave the ocean’s waves,

I shall hang, once I have landed safely,

On the pillars of your temple.

    

Translation © Richard Wigmore

Der Wanderer

Der Wanderer

    

Wie deutlich des Mondes Licht

Zu mir spricht,

Mich beseelend zu der Reise:

„Folge treu dem alten Gleise,

Wähle keine Heimat nicht.

Ew’ge Plage

Bringen sonst die schweren Tage;

Fort zu andern

Sollst du wechseln, sollst du wandern,

Leicht entfliehend jeder Klage.“

     

Sanfte Ebb’ und hohe Flut,

Tief im Mut,

Wandr’ ich so im Dunkeln weiter,

Steige mutig, singe heiter,

Und die Welt erscheint mir gut.

Alles reine

Seh’ ich mild im Widerscheine,

Nichts verworren

In des Tages Glut verdorren:

Froh umgeben, doch alleine.

       

Friedrich von Schlegel

The Wanderer

    

How clearly the moon’s light

Speaks to me,

Inspiring me on my journey:

“Follow faithfully the old track,

Choose nowhere as your home,

Lest bad times

Bring endless cares.

You will move on, and go forth

To other places,

Lightly casting off all grief.”

     

Thus, with gentle ebb and swelling flow

Deep within my soul,

I walk on in the darkness.

I climb boldly, singing merrily,

And the world seems good to me.

I see all things clearly

In their gentle reflection.

Nothing is blurred

Or withered in the heat of the day:

There is joy all around, yet I am alone.

     

Translation © Richard Wigmore

Heliopolis

Heliopolis

    

Im kalten, rauhen Norden

Ist Kunde mir geworden

Von einer Stadt, der Sonnenstadt.

Wo weilt das Schiff, wo ist der Pfad,

Die mich zu jenen Hallen tragen?

Von Menschen konnt’ ich nichts erfragen,

Im Zwiespalt waren sie verworren.

Zur Blume, die sich Helios erkoren,

Die ewig in sein Antlitz blickt,

Wandt’ ich mich nun, und ward entzückt.

      

„Wende, so wie ich, zur Sonne

Deine Augen! Dort ist Wonne,

Dort ist Leben;

Treu ergeben

Pilgre zu und zweifle nicht:

Ruhe findest du im Licht.

Licht erzeuget alle Gluten,

Hoffnungspflanzen,

Tatenfluten!“

     

Johann Mayrhofer

Heliopolis

     

In the cold, harsh north

I learnt

Of a city, the city of the sun.

Where is the ship, where the path

That will take me to its courts?

Men could tell me nothing,

For they were entangled in conflict.

I then turned to the flower chosen by Helios,

That forever gazes into his face,

And was enchanted.

“Like me, turn your eyes

To the sun! There is bliss,

There is life;

In true devotion

Make your pilgrimage, and do not doubt.

In the light you will find peace.

Light creates all ardor,

Begets flowers of hope

And torrents of deeds!”

     

Translation © Richard Wigmore

Selige Welt

Selige Welt

    

Ich treibe auf des Lebens Meer,

Ich sitze gemut in meinem Kahn,

Nicht Ziel, noch Steuer, hin und her,

Wie die Strömung reißt, wie die Winde gahn.

Eine selige Insel sucht der Wahn,

Doch eine ist es nicht.

Du lande gläubig überall an,

Wo sich Wasser an Erde bricht.

     

Johann Chrysostomos Senn

Blessed World

   

I drift upon life’s sea;

I sit comfortably in my boat,

Without destination, without tiller, moving to and fro,

As the current takes me, as the winds blow.

Folly seeks a blessed isle,

But no such isle exists.

Be trusting, land wherever

Water breaks against the shore.

    

Translation © Richard Wigmore

Gretchen am Spinnrade 

Gretchen am Spinnrade

     

Meine Ruh’ ist hin,

Mein Herz ist schwer,

Ich finde sie nimmer

Und nimmermehr.

    

Wo ich ihn nicht hab’

Ist mir das Grab,

Die ganze Welt

Ist mir vergällt.

    

Mein armer Kopf

Ist mir verrückt

Mein armer Sinn

Ist mir zerstückt.

    

Nach ihm nur schau’ ich

Zum Fenster hinaus,

Nach ihm nur geh’ ich

Aus dem Haus.

     

Sein hoher Gang,

Sein’ edle Gestalt,

Seines Mundes Lächeln,

Seiner Augen Gewalt.

     

Und seiner Rede

Zauberfluss.

Sein Händedruck,

Und ach, sein Kuss!

     

Mein Busen drängt sich

Nach ihm hin.

Ach dürft’ ich fassen

Und halten ihn.

     

Und küssen ihn

So wie ich wollt’

An seinen Küssen

Vergehen sollt’!

        

Johann Wolfgang von Goethe

Gretchen at the Spinning Wheel

    

My peace is gone,

My heart is heavy,

I shall never, never again

Find peace.

    

Wherever he is not with me

Is my grave,

The whole world

Is turned to gall.

    

My poor head

Is crazed,

My poor mind

Is shattered.

   

I look out of the window

Only to seek him,

I leave the house

Only to seek him.

     

His fine gait,

His noble form,

The smile of his lips,

The power of his eyes.

     

And the magic flow

Of his words,

The pressure of his hand

And, ah, his kiss!

       

My bosom yearns

For him.

Ah, if only I could grasp him

And hold him.

      

And kiss him

As I would like,

I should die

From his kisses!

     

Translation © Richard Wigmore

Wandrers Nachtlied

Wandrers Nachtlied

    

Über allen Gipfeln

Ist Ruh’,

In allen Wipfeln

Spürest du

Kaum einen Hauch;

Die Vögelein schweigen im Walde.

Warte nur, balde

Ruhest du auch.

   

Johann Wolfgang von Goethe

Wayfarer’s Night Song

   

Over all the peaks

There is peace;

In all the treetops

You feel

Scarcely a breath of air;

The little birds in the forest are silent.

Wait!

Soon you too will be at rest.

    

Translation © Richard Wigmore

Meet the Young Singers

Listen to the podcasts

Unmuting Memnon

Hagar Sharvit on Searching and Finding in Her Program

Absence and Longing: Hagar Sharvit on "Dass sie hier gewesen" and "Die Götter Griechenlands"

The Schubert Universe

Artists

Jeeyoung Lim

Bass-Baritone

Hagar Sharvit

Mezzo-Soprano

Daniel Gerzenberg

Piano

Kunal Lahiry

Piano

Program

Franz Schubert

Atys D 585

Franz Schubert

Philoktet D 540

Franz Schubert

Memnon D 541

Franz Schubert

Der entsühnte Orest D 699

Franz Schubert

Die Götter Griechenlands D 677

Franz Schubert

Am Strome D 539

Franz Schubert

Lied (Die Mutter Erde) "Des Lebens Tag ist schwül und schwer" D 788

Franz Schubert

Die Sterne D 684

Franz Schubert

Der Jüngling auf dem Hügel D 702

Franz Schubert

Auf der Bruck D 853

Franz Schubert

Auf der Donau D 553

Franz Schubert

Die Götter Griechenlands D 677

Franz Schubert

Dass sie hier gewesen D 775

Franz Schubert

Fischerweise D 881

Franz Schubert

Schäfers Klagelied D 121

Franz Schubert

Der Jüngling und der Tod D 545

Franz Schubert

Des Mädchens Klage D 191

Franz Schubert

Lied eines Schiffers an die Dioskuren D 360

Franz Schubert

Der Wanderer "Wie deutlich des Mondes Licht" D 649

Franz Schubert

Aus Heliopolis I D 753

Franz Schubert

Selige Welt D 743

Franz Schubert

Gretchen am Spinnrade D 118

Franz Schubert

Wandrers Nachtlied II "Über allen Gipfeln" D 768

Approximate running time: 1h 20m without intermission

As part of the Schubert Week, the Pierre Boulez Saal once again welcomed a group of young singers who are about to embark on an international career. Leading up to their recitals, these rising artists had been working on their programs with Thomas Hampson over the course of several masterclasses.

Bass-baritone Jeeyoung Lim, who trained in Seoul and at Berlin’s “Hanns Eisler” School of Music, and Israeli mezzo-soprano Hagar Sharvit, most recently heard at the Staatstheater Oldenburg, performed the second Young Singers concert. They were joined by two remarkable young pianists, Kunal Lahiry and Daniel Gerzenberg, who have both been part of previous Schubert Weeks at the Pierre Boulez Saal.

For the third consecutive year, Thomas Hampson invited renowned lied singers and the most promising talents of the younger generation, together with their piano partners, to dedicate an entire week to the world of the Schubert lied—even in these challenging times.

This concert, followed by an interactive Q&A session, was streamed live on Tuesday, January 19, at 8 pm and will remain available for free on-demand viewing through April 30, 2021.


In cooperation with the Lied Akademie of Internationales Liedzentrum Heidelberg and the Hampsong Foundation

Partners

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