Opening Talk & Recital with Marie Seidler, Frederic Jost, and Wolfram Rieger

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  • 00:09:08 Introduction (in German)
  • 00:16:46 Thomas Hampson and Dr. Friedrich Dieckmann in conversation with Susanne Stähr on Schubert and his time (in German)
  • 01:04:43 Marie Seidler on her program (in German)
  • 01:07:18 Recital with Marie Seidler and Wolfram Rieger
  • 01:43:04 Frederic Jost on his program (in German)
  • 01:46:38 Recital with Frederic Jost and Wolfram Rieger
  • 02:29:26 Q&A with Thomas Hampson, Marie Seidler, and Frederic Jost (in German)

The Songs: Interactive Content

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Franz Schubert

Der blinde Knabe

Der blinde Knabe


O sagt, ihr Lieben, mir einmal,

Welch Ding ist’s, Licht genannt?

Was sind des Sehens Freuden all’

Die niemals ich gekannt?


Die Sonne, die so hell ihr seht,

Mir Armen scheint sie nie;

Ihr sagt, sie auf- und niedergeht,

Ich weiß nicht, wann noch wie.


Ich mach’ mir selbst so Tag wie Nacht

Dieweil ich schlaf’ und spiel’,

Mein inn’res Leben schön mir lacht,

Ich hab’ der Freuden viel.


Zwar kenn’ ich nicht, was euch erfreut,

Doch drückt mich keine Schuld,

Drum freu’ ich mich in meinem Leid

Und trag’ es mit Geduld.


Ich bin so glücklich, bin so reich

Mit dem, was Gott mir gab,

Bin wie ein König froh, obgleich

Ein armer, blinder Knab’.


Deutsch von Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta

The Blind Boy


O say! What is that thing call’d light,

Which I must ne’er enjoy;

What are the blessings of the sight,

O tell your poor blind boy!


You talk of wondrous things you see,

You say the sun shines bright;

I feel him warm, but how can he

Or make it day or night?


My day or night myself I make

When e’er I sleep or play;

And could I ever keep awake

With me ’twere always day.


With heavy sighs I often hear

You mourn my hapless woe;

But sure with patience I can bear

A loss I ne’er can know.


Then let not what I cannot have

My cheer of mind destroy:

Whilst thus I sing, I am a king,

Although a poor blind boy.


Colley Cibber

An mein Herz

An mein Herz


O Herz, sei endlich stille!

Was schlägst du so unruhvoll?

Es ist ja des Himmels Wille,

Dass ich sie lassen soll.


Und gab auch dein junges Leben

Dir nichts als Wahn und Pein;

Hat’s ihr nur Freude gegeben,

So mag’s verloren sein!


Und wenn sie auch nie dein Lieben

Und nie dein’ Liebe verstand,

So bist du doch treu geblieben,

Und Gott hat’s droben erkannt.


Wir wollen es mutig ertragen,

So lang nur die Träne noch rinnt,

Und träumen von schöneren Tagen,

Die lange vorüber sind.


Und siehst du die Blüten erscheinen,

Und singen die Vögel umher,

So magst du wohl heimlich weinen,

Doch klagen sollst du nicht mehr.


Geh’n doch die ewigen Sterne

Dort oben mit goldenem Licht

Und lächeln so freundlich von ferne,

Und denken doch unser nicht.


Ernst Schulze

To My Heart


O heart, be silent at last!

Why do you beat so restlessly?

For it is heaven’s will

That I should leave her.


Even though your youthful life

Gave you nothing but delusion and pain,

As long as it gave her joy

Then no matter if it was lost to you.


And though she never understood

Your loving or your love,

You nevertheless remained faithful

And God above saw it.


Let us bravely endure

As long as tears still flow,

And dream of fairer days

Long since past.


When you see the blossoms appearing,

When the birds sing all around,

Then you may weep in secret,

But you should complain no more.


For the eternal stars above

Move with a golden light,

Smiling kindly from afar

And yet with no thought for us.


Translation © Richard Wigmore

Gretchen im Zwinger

Gretchen im Zwinger


Ach, neige

Du Schmerzenreiche,

Dein Antlitz gnädig meiner Not!


Das Schwert im Herzen,

Mit tausend Schmerzen

Blickst auf zu deines Sohnes Tod.


Zum Vater Blickst du,

Und Seufzer schickst du

Hinauf um sein’ und deine Not.


Wer fühlet,

Wie wühlet

Der Schmerz mir im Gebein?

Was mein armes Herz hier banget,

Was es zittert, was verlanget,

Weißt nur du, nur du allein!


Wohin ich immer gehe,

Wie weh, wie weh, wie wehe

Wird mir im Busen hier!

Ich bin, ach, kaum alleine,

Ich wein’, ich wein’, ich weine,

Das Herz zerbricht in mir.


Johann Wolfgang von Goethe

Gretchen Within the Ramparts


You who are laden with sorrow,

Incline your face graciously

To my distress.


With the sword in your heart,

And a thousand sorrows,

You look up at your dying son.


You gaze up to the Father,

And let a sigh rise up

For his affliction and your own.


Who can feel

How the pain

Gnaws away in my bones?

What my poor heart fears,

What it dreads, what it craves,

Only you can know!


Wherever I go,

How it hurts, how it hurts

Here in my breast!

Alas, no sooner am I alone

Than I weep, I weep,

And my heart breaks within me.


Translation © Richard Wigmore

Geistliches Lied

Geistliches Lied


Ich sehe dich in tausend Bildern,

Maria, lieblich ausgedrückt,

Doch keins von allen kann dich schildern,

Wie meine Seele dich erblickt.


Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel

Seitdem mir wie ein Traum verweht

Und ein unnennbar süßer Himmel

Mir ewig im Gemüte steht.


Friedrich von Hardenberg alias Novalis

Sacred Song


I see you in a thousand pictures,

Mary, sweetly portrayed;

Yet none of them can depict you

As my soul has seen you.


I only know that since then

The world’s tumult has drifted away from me

Like a dream, and an ineffably sweet heaven

Is forever in my heart.


Translation © Richard Wigmore

Szene aus Goethes Faust

Szene aus Goethes Faust


Böser Geist

Wie anders, Gretchen, war dir’s,

Als du noch voll Unschuld

Hier zum Altar trat’st,

Aus dem vergriffenen Büchelchen

Gebete lalltest,

Halb Kinderspiele,

Halb Gott im Herzen!

Gretchen! Wo steht dein Kopf?

In deinem Herzen, welche Missetat?

Bet’st du für deiner Mutter Seele,

Die durch dich zur langen,
Langen Pein hinüberschlief?

Auf deiner Schwelle wessen Blut?

– Und unter deinem Herzen

Regt sich’s nicht quillend schon,

Und ängstigt dich und sich

Mit ahnungsvoller Gegenwart?


Gretchen

Weh! Weh!

Wär’ ich der Gedanken los,

Die mir herüber und hinüber gehen

Wider mich!


Chor

Dies irae, dies illa,
Solvet saeclum in favilla.


Böser Geist

Grimm fasst dich!

Die Posaune tönt!

Die Gräber beben!

Und dein Herz, aus Aschenruh

Zu Flammenqualen wieder aufgeschaffen,

Bebt auf!


Gretchen

Wär’ ich hier weg!

Mir ist als ob die Orgel mir

Den Atem versetzte,

Gesang mein Herz

Im Tiefsten löste.


Chor

Judex ergo cum sedebit,

Quidquid latet apparebit:

Nil inultum remanebit.


Gretchen

Mir wird so eng!

Die Mauern-Pfeiler befangen mich!

Das Gewölbe drängt mich! – Luft!


Böser Geist

Verbirg dich! Sünd’ und Schande

Bleibt nicht verborgen.

Luft? Licht? Wehe dir!


Chor

Quid sum miser tunc dicturus?

Quem patronum rogaturus,

Cum vix justus sit securus?


Böser Geist

Ihr Antlitz wenden

Verklärte von dir ab.

Die Hände dir zu reichen,

Schauert’s den Reinen.

Weh!


Chor

Quid sum miser tunc dicturus?

Quem patronum rogaturus?


Johann Wolfgang von Goethe

Scene from Faust


Evil Spirit

How differently you felt, Gretchen,

When, still full of innocence,

You came to the altar here,

Mumbling prayers

From your shabby little book,

Half playing children’s games,

Half with God in your heart.

Gretchen! How is your head?

What sin lies within your heart?

Do you pray for the soul of your mother,
Who because of you
Overslept into a long, long agony? 

And whose blood lies on your threshold?

And beneath your heart
Does not something already stir and swell
Tormenting itself and you,

With its foreboding presence?

                     

Gretchen

Alas! Alas!

If only I could be free of the thoughts

Which run to and fro in my mind,

Against my will.


Chorus

The day of wrath, that day
Will dissolve the earth in ashes. 


Evil Spirit

Anguish grips you!

The trumpet sounds,

The graves tremble!

And your heart, stirred up again

From ashen peace to blazing torment,

Trembles likewise!


Gretchen

If only I could escape from here!

I feel as if the organ

Were taking my breath away,

And the singing dissolving my heart

In its depths.


Chorus

When therefore the judge takes his seat,

Whatever is hidden will reveal itself;

Nothing will remain unavenged.


Gretchen

I am so afraid!

The pillars of the walls are constricting me!

The vault presses down on me!—Air!


Evil Spirit

Hide yourself! Shame and sin

Will not remain hidden.

Air? Light? Woe upon you!


Chorus

What will I say then, wretch that I am?

What advocate entreat to speak for me,

When even the righteous may hardly be secure?


Evil Spirit

The blessed turn their faces

From you.

The pure shudder

To reach out their hands to you.

Woe!


Chorus

What will I say then, wretch that I am,

What advocate entreat to speak for me?


Translation © Richard Wigmore

Sehnsucht

Sehnsucht


Was zieht mir das Herz so?

Was zieht mich hinaus?

Und windet und schraubt mich

Aus Zimmer und Haus?

Wie dort sich die Wolken

Am Felsen verziehn!

Da möcht ich hinüber,

Da möcht ich wohl hin!


Nun wiegt sich der Raben

Geselliger Flug;

Ich mische mich drunter

Und folge dem Zug.

Und Berg und Gemäuer

Umfittigen wir;

Sie weilet da drunten,

Ich spähe nach ihr.


Da kommt sie und wandelt;

Ich eile sobald,

Ein singender Vogel,

Im buschigten Wald.

Sie weilet und horchet

Und lächelt mit sich:

„Er singet so lieblich

Und singt es an mich.“


Die scheidende Sonne

Vergüldet die Höhn;

Die sinnende Schöne,

Sie lässt es geschehen.

Sie wandelt am Bache

Die Wiesen entlang,

Und finster und finstrer

Umschlingt sich der Gang;


Auf einmal erschein ich,

Ein blinkender Stern.

„Was glänzet da droben,

So nah und so fern?“

Und hast du mit Staunen

Das Leuchten erblickt,

Ich lieg dir zu Füßen,

Da bin ich beglückt!


Johann Wolfgang von Goethe

Longing


What is it that tugs at my heart so?

What lures me outside,

Twisting and wrenching me

Out of my room and my home?

Over there the clouds

Disperse around the rocks.

I would like to cross over there,

I would like to go there!


Now the ravens hover

In gregarious flight;

I join them

And follow their course.

We fly above mountains

And ruins;

She dwells below;

I look out for her.


There she comes, strolling along;

I immediately hasten,

Like a singing bird,

To the bushy wood.

She lingers and listens,

Smiling to herself:

“He sings so charmingly,

And sings to me!”


The departing sun

Gilds the hills;

The musing beauty

Does not heed it.

She strolls by the brook,

Through the meadows;

Darker and darker

Grows her winding path.


Suddenly I appear,

A shining star.

“What is that sparkling up there,

So near and yet so far?”

And when, with astonishment,

You catch sight of its light,

I shall lie at your feet.

There I shall be contented!


Translation © Richard Wigmore

Thekla (Eine Geisterstimme)

Thekla (Eine Geisterstimme)


Wo ich sei, und wo mich hingewendet,

Als mein flücht’ger Schatte dir entschwebt?

Hab’ ich nicht beschlossen und geendet,

Hab’ ich nicht geliebet und gelebt?


Willst du nach den Nachtigallen fragen,

Die mit seelenvoller Melodie

Dich entzückten in des Lenzes Tagen?

Nur so lang’ sie liebten, waren sie.


Ob ich den Verlorenen gefunden?

Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,

Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,

Dort, wo keine Träne wird geweint.


Dorten wirst auch du uns wieder finden,

Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;

Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,

Den der blut’ge Mord nicht mehr erreicht.


Und er fühlt, dass ihn kein Wahn betrogen,

Als er aufwärts zu den Sternen sah;

Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,

Wer es glaubt, dem ist das Heil’ge nah.


Wort gehalten wird in jenen Räumen

Jedem schönen gläubigen Gefühl;

Wage du, zu irren und zu träumen:

Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel.


Friedrich von Schiller

Thekla (A Phantom Voice)


You ask me where I am, where I turned to

When my fleeting shadow vanished.

Have I not finished, reached my end?

Have I not loved and lived?


Would you ask after the nightingales

Who, with soulful melodies,

Delighted you in the days of spring?

They lived only as long as they loved.


Did I find my lost beloved ?

Believe me, I am united with him in the place

Where those who have formed a bond are never

Separated, where no tears are shed.


There you will also find us again,

When your love is as our love;

There too is our father, free from sin,

Whom bloody murder can no longer strike.


And he senses that he was not deluded

When he gazed up at the stars.

For as a man judges so he shall be judged;

Whoever believes this is close to holiness.


There, in space, every fine, deeply-felt belief

Will be consummated;

Dare to err and to dream:

Often a higher meaning lies behind childlike play.


Translation © Richard Wigmore

Lied der Anne Lyle

Lied der Anne Lyle


Wärst du bei mir im Lebenstal,

Gern wollt’ ich alles mit dir teilen;

Mit dir zu flieh’n wär’ leichte Wahl,

Bei mildem Wind, bei Sturmes Heulen.

Doch trennt uns harte Schicksalsmacht

Uns ist nicht gleiches Los geschrieben.

Mein Glück ist, wenn dir Freude lacht

Ich wein’ und bete für den Lieben.


Es wird mein töricht’ Herz vergeh’n

Wenn’s alle Hoffnung sieht verschwinden

Doch soll’s nie seinen Gram gesteh’n,

Nie mürrisch klagend ihn verkünden.

Und drückt des Lebens Last das Herz,

Soll nie den matten Blick sie trüben,

So lange mein geheimer Schmerz

Ein Kummer wäre für den Lieben.


Deutsch von Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta

Annot Lyle’s Song


Wert thou, like me, in life’s low vale,

With thee how blest, that lot I share;

With thee I’d fly wherever gale

Could waft, or bounding galley bear.

But parted by severe decree,

Far different must our fortunes prove;

May thine be joy—enough for me

To weep and pray for him I love.


The pangs this foolish heart must feel,

When hope shall be forever flown,

No sullen murmur shall reveal,

No selfish murmurs ever own.

Nor will I through life’s weary years,

Like a pale drooping mourner move,

While I can think my secret tears

May wound the heart of him I love.


Sir Walter Scott (1771–1832) nach Andrew MacDonald (1757–1790)

Sehnsucht

Sehnsucht


Ach, aus dieses Tales Gründen,

Die der kalte Nebel drückt,

Könnt’ ich doch den Ausgang finden,

Ach, wie fühlt’ ich mich beglückt!

Dort erblick’ ich schöne Hügel,

Ewig jung und ewig grün!

Hätt’ ich Schwingen, hätt’ ich Flügel,

Nach den Hügeln zög’ ich hin.


Harmonien hör’ ich klingen,

Töne süßer Himmelsruh’,

Und die leichten Winde bringen

Mir der Düfte Balsam zu,

Gold’ne Früchte seh’ ich glühen,

Winkend zwischen dunkelm Laub,

Und die Blumen, die dort blühen,

Werden keines Winters Raub.


Ach wie schön muss sich’s ergehen

Dort im ew’gen Sonnenschein,

Und die Luft auf jenen Höhen,

O wie labend muss sie sein!

Doch mir wehrt des Stromes Toben,

Der ergrimmt dazwischen braust,

Seine Wellen sind gehoben,

Dass die Seele mir ergraust.


Einen Nachen seh ich schwanken,

Aber ach! der Fährmann fehlt.

Frisch hinein und ohne Wanken,

Seine Segel sind beseelt.

Du musst glauben, du musst wagen,

Denn die Götter leih’n kein Pfand,

Nur ein Wunder kann dich tragen

In das schöne Wunderland.


Friedrich von Schiller

Longing


Ah, if only I could find a way out

From the depths of this valley,

Oppressed by cold mists,

How happy I would feel!

Yonder I see lovely hills,

Ever young and ever green!

If I had pinions, if I had wings,

I would fly to those hills.


I hear harmonious sounds,

Notes of sweet, celestial peace,

And the gentle breezes bring me

The scent of balsam.

I see the golden fruits glowing,

Beckoning amid dark leaves,

And the flowers which bloom there

Will never be winter’s prey.


Ah, how beautiful it must be to wander

There in the eternal sunshine;

And the air on those hills,

How refreshing it must be.

But I am barred by the raging torrent

Which foams angrily between us;

Its waves tower up,

Striking fear into my soul.


I see a boat pitching,

But, alas! There is no boatman.

Jump in without hesitation!

The sails are billowing.

You must trust, and you must dare,

For the gods grant no pledge;

Only a miracle can convey you

To the miraculous land of beauty.


Translation © Richard Wigmore

Bei dir allein

Bei dir allein


Bei dir allein

Empfind’ ich, dass ich lebe,

Dass Jugendmut mich schwellt,

Dass eine heit’re Welt

Der Liebe mich durchbebe;

Mich freut mein Sein

Bei dir allein!


Bei dir allein

Weht mir die Luft so labend,

Dünkt mich die Flur so grün,

So mild des Lenzes Blüh’n

So balsamreich der Abend,

So kühl der Hain,

Bei dir allein!


Bei dir allein

Verliert der Schmerz sein Herbes,

Gewinnt die Freud’ an Lust!

Du sicherst meine Brust

Des angestammten Erbes;

Ich fühl’ mich mein

Bei dir allein!


Johann Gabriel Seidl

With You Alone


With you alone

I feel that I am alive,

That I am fired by youthful vigor,

That a bright world

Of love thrills through me;

I rejoice in my being

With you alone!


With you alone

The breeze blows so refreshingly,

The fields seem so green,

The flowering spring so gentle,

The evening so balmy,

The grove so cool,

With you alone!


With you alone

Pain loses its bitterness,

Joy gains in sweetness!

You assure my heart

Of its natural heritage;

I feel I am myself

With you alone!


Translation © Richard Wigmore

L’incanto degli occhi

L’incanto degli occhi


Da voi, cari lumi,

Dipende il mio stato;

Voi siete i miei Numi,

Voi siete il mio fato.

A vostro talento

Mi sento cangiar.

Ardir m’inspirate,

Se lieti splendete;

Se torbidi siete,

Mi fate tremar.


Pietro Metastasio

The Enchantment of Eyes


On you, beloved eyes,

Depends my life;

You are my gods;

You are my destiny.

At your bidding

My mood changes.

You inspire me with daring

If you shine joyfully;

If you are overcast

You make me tremble.


Translation © Richard Wigmore

Il traditor deluso

Il traditor deluso


Recitativo

Ahimè, io tremo!

Io sento tutto inondarmi il seno di gelido sudor!

Fuggasi… Ah quale?

Qual è la via? Chi me l’addita?

Oh Dio! che ascoltai? Che m’avvenne?

Ove son io?


Aria

Ah, l’aria d’intorno

Lampeggia, sfavilla;

Ondeggia, vacilla

L’infido terren!

Qual notte profonda

D’orror mi circonda!

Che larve funeste,

Che smanie son queste!

Che fiero spavento

Mi sento nel sen!


Pietro Metastasio

The Traitor Deceived


Recitative

Alas, I tremble!

I feel a cold sweat upon my brow!

I must flee; but whither?

Where is the way? Who will show it to me?

O God, what do I hear? What is happening to me?

Where am I?


Aria

The air around me

Flashes and sparkles;

The perfidious earth

Shakes and trembles!

The deep night

Surrounds me with horror!

What baleful creatures,

What furies are these?

What raging terror

I feel in my breast!


Translation © Richard Wigmore

Il modo di prender moglie 

Il modo di prender moglie


Orsù! non ci pensiamo,

Coraggio e concludiamo,

Al fin s’io prendo moglie,

Sò ben perchè lo fò.


Lo fò per pagar i debiti,

La prendo per contanti,

Di dirlo, e di ripeterlo,

Difficoltà non ho.


Fra tanti modi e tanti

Di prender moglie al mondo,

Un modo più giocondo

Del mio trovar non sò.


Si prende per affetto,

Si prende per rispetto,

Si prende per consiglio,

Si prende per puntiglio,

Si prende per capriccio.

È vero, si o nò?


Ed io per medicina

Di tutti i mali miei

Un poco di sposina

Prendere non potrò?


Ho detto e’l ridico,

Lo fò per li contanti,

Lo fanno tanti e tanti

Anch’ io lo farò.


Unknown Autor

How to Choose a Wife


Now then, let’s not think about it;

Courage, let’s get it over with.

If in the end I have to take a wife

I know very well why I do it.


I do it to pay my debts.

I take her for the money.

I have no compunction telling you,

And repeating it.


Of all the ways of choosing a wife

In the world,

I know of no happier way

Than mine.


One chooses a wife for love,

Another out of respect,

Another because he is advised to,

Another out of propriety,

Another for a whim.

Is it true or not?


And I,

Why can’t I take a little wife

As remedy

For all my ills?


I’ve said it and I’ll say it again:

I do it for the money.

So many do it,

I do it too.


Translation © Richard Wigmore

Fahrt zum Hades 

Fahrt zum Hades


Der Nachen dröhnt, Cypressen flüstern,

Horch, Geister reden schaurig drein;

Bald werd’ ich am Gestad’, dem düstern,

Weit von der schönen Erde sein.


Da leuchten Sonne nicht, noch Sterne,

Da tönt kein Lied, da ist kein Freund.

Empfang die letzte Träne, o Ferne,

Die dieses müde Auge weint.


Schon schau’ ich die blassen Danaiden ,

Den fluchbeladnen Tantalus;

Es murmelt todesschwangern Frieden,

Vergessenheit, dein alter Fluss .


Vergessen nenn’ ich zwiefach Sterben,

Was ich mit höchster Kraft gewann,

Verlieren, wieder es erwerben –

Wann enden diese Qualen? Wann?


Johann Mayrhofer

Journey to Hades


The boat moans, the cypresses whisper;

Hark, the spirits add their gruesome cries.

Soon I shall reach the shore, so gloomy,

Far from the fair earth.


There neither sun nor stars shine,

No song echoes, no friend is nigh.

Distant earth, accept the last tear

That these tired eyes will weep.


Already I see the pale Danaïdes

And curse-laden Tantalus.

Your ancient river, Oblivion ,

Breathes a peace heavy with death.


Oblivion I deem a twofold death;

To lose that which I won with all my strength,

To strive for it once more—

When will these torments cease? O when?


Translation © Richard Wigmore

An Schwager Kronos

An Schwager Kronos


Spute dich, Kronos!

Fort den rasselnden Trott!

Bergab gleitet der Weg:

Ekles Schwindeln zögert

Mir vor die Stirne dein Zaudern.

Frisch, holpert es gleich,

Über Stock und Steine den Trott

Rasch ins Leben hinein!


Nun schon wieder

Den eratmenden Schritt

Mühsam berghinauf,

Auf denn, nicht träge denn

Strebend und hoffend hinan!


Weit, hoch, herrlich

Rings den Blick ins Leben hinein;

Vom Gebirg zum Gebirg

Schwebet der ewige Geist,

Ewigen Lebens ahndevoll.


Seitwärts des Überdachs Schatten

Zieht dich an

Und ein Frischung verheißender Blick

Auf der Schwelle des Mädchens da.

Labe dich! – Mir auch, Mädchen,

Diesen schäumenden Trank,

Diesen frischen Gesundheitsblick!


Ab denn, rascher hinab!

Sieh, die Sonne sinkt!

Eh sie sinkt, eh mich Greisen

Ergreift im Moore Nebelduft,

Entzahnte Kiefer schnattern

Und das schlotternde Gebein,


Trunknen vom letzten Strahl

Reiß mich, ein Feuermeer

Mir im schäumenden Aug’,

Mich Geblendeten, Taumelnden

In der Hölle nächtliches Tor.


Töne, Schwager , in’s Horn,

Rassle den schallenden Trab,

Dass der Orkus vernehme: wir kommen,

Dass gleich an der Tür

Der Wirt uns freundlich empfange.


Johann Wolfgang von Goethe

To Coachman Kronos


Make haste, Kronos!

Break into a rattling trot!

The way runs downhill;

I feel a sickening giddiness

At your dallying.

Quick, away, never mind the bumping,

Over sticks and stones, trot

Briskly into life!


Now once again

Breathless, at walking pace,

Struggling uphill;

Up then, don’t be sluggish,

Onwards, striving and hoping.


Wide, lofty, and glorious

Is the view around into life;

From mountain range to mountain range

The eternal spirit glides,

Bringing promise of eternal life.


A shady roof

Draws you aside

And the gaze of a girl

On the step, promising refreshment.

Refresh yourself! For me too, girl,

That foaming draught,

That fresh, healthy look.


Down then, down faster!

Look, the sun is sinking!

Before it sinks, before the mist

Seizes me, an old man, on the moor,

Toothless jaws chattering,

Limbs shaking,


Snatch me, drunk with its last ray,

A sea of fire

Foaming in my eyes,

Blinded, reeling

Through hell’s nocturnal gate.


Coachman, sound your horn,

Rattle noisily on at a trot.

Let Orcus know we’re coming,

So that the innkeeper is at the door

To give us a kind welcome.


Translation © Richard Wigmore

Gruppe aus dem Tartarus 

Gruppe aus dem Tartarus


Horch – wie Murmeln des empörten Meeres,

Wie durch hohler Felsen Becken weint ein Bach,

Stöhnt dort dumpfigtief ein schweres – leeres,

Qualerpresstes Ach!


Schmerz verzerret

Ihr Gesicht – Verzweiflung sperret

Ihren Rachen fluchend auf.

Hohl sind ihre Augen – ihre Blicke

Spähen bang nach des Cocytus Brücke,

Folgen tränend seinem Trauerlauf.


Fragen sich einander ängstlich leise,

Ob noch nicht Vollendung sei?

Ewigkeit schwingt über ihnen Kreise,

Bricht die Sense des Saturns entzwei.


Friedrich von Schiller

Scene from Hades


Hark! Like the angry murmuring of the sea,

Or a brook sobbing through pools in hollow rocks,

From the depths arises a muffled groan,

Heavy, empty, and tormented!


Pain distorts

Their faces—in despair

Their mouths open wide, cursing.

Their eyes are hollow—their frightened gaze

Strains towards Cocytus’ bridge,

Following as they weep that river’s mournful course.


Anxiously, softly, they ask one another

If the end is yet nigh.

Eternity sweeps in circles above them,

Breaking Saturn’s scythe in two.


Translation © Richard Wigmore

Prometheus 

Prometheus


Bedecke deinen Himmel, Zeus,

Mit Wolkendunst,

Und übe, dem Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An Eichen dich und Bergeshöhn;

Musst mir meine Erde

Doch lassen stehn,

Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.


Ich kenne nichts Ärmeres

Unter der Sonn’ als euch, Götter!

Ihr nähret kümmerlich

Von Opfersteuern

Und Gebetshauch

Eure Majestät,

Und darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Toren.


Da ich ein Kind war,

Nicht wusste wo aus noch ein,

Kehrt’ ich mein verirrtes Auge

Zur Sonne, als wenn drüber wär’

Ein Ohr, zu hören meine Klage,

Ein Herz wie mein’s,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.


Wer half mir

Wider der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich,

Von Sklaverei?

Hast du nicht alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden da droben?


Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Tränen gestillet

Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herrn und deine?


Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehen,

Weil nicht alle

Blütenträume reiften?


Hier sitz’ ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, zu weinen,

Zu genießen und zu freuen sich

Und dein nicht zu achten,

Wie ich!


Johann Wolfgang von Goethe

Prometheus


Cover your heaven, Zeus,

With a gauze of cloud.

And, like a boy beheading thistles,

Practise on oak trees

And mountain peaks;

But you will have to leave

My world standing,

And my hut, which you did not build,

And my fireside,

Whose glow

You envy me.


I know nothing more wretched

Beneath the sun than you gods!

Meagerly you nourish

Your majesty

With offerings

And the breath of prayer,

And would starve

If children and beggars

Were not ever-hopeful fools.


When I was a child

And did not know a thing,

I turned my perplexed gaze

To the sun, as if beyond it

There were an ear to listen to my lament,

And a heart like mine

To pity the distressed.


Who helped me

Against the overweening pride of the Titans?

Who saved me from death

And from slavery?

Did you not accomplish it all yourself,

Sacred, ardent heart?

And, deceived in your youthful goodness,

Were you not fired with gratitude

For your deliverance to the sleeper up above?


I honor you? What for?

Have you ever eased the suffering

Of him who is oppressed?

Have you ever dried the tears

Of him who is troubled?

Did not almighty Time

And eternal Fate,

My masters and yours,

Forge me into a man?


Did you perhaps imagine

That I would hate life,

Flee into the wilderness,

Because not all

My blossoming dreams bore fruit?


Here I sit, forming men

In my own image,

A race that shall be like me,

That shall suffer, weep,

Enjoy and rejoice,

And ignore you,

As I do!


Translation © Richard Wigmore

Auf der Donau 

Auf der Donau


Auf der Wellen Spiegel schwimmt der Kahn,

Alte Burgen ragen himmelan,

Tannenwälder rauschen geistergleich,

Und das Herz im Busen wird uns weich.


Denn der Menschen Werke sinken all’,

Wo ist Turm, wo Pforte, wo der Wall,

Wo sie selbst, die Starken, erzgeschirmt,

Die in Krieg und Jagden hingestürmt?


Trauriges Gestrüppe wuchert fort,

Während frommer Sage Kraft verdorrt:

Und im kleinen Kahne wird uns bang,

Wellen drohn wie Zeiten Untergang.


Johann Mayrhofer

On the Danube


The boat glides on the mirror of the waves;

Old castles soar heavenwards,

Pine forests stir like ghosts,

And our hearts grow faint within our breasts.


For the works of man all perish;

Where now is the tower, the gate, the rampart?

Where are the mighty themselves, in their bronze armor,

Who stormed forth to battle and the chase?


Mournful brushwood grows rampant

While the power of pious myth fades.

And in our little boat we grow afraid;

Waves, like time, threaten doom.


Translation © Richard Wigmore

Wie Ulfru fischt

Wie Ulfru fischt


Die Angel zuckt, die Rute bebt,

Doch leicht fährt sie heraus.

Ihr eigensinn’gen Nixen gebt

Dem Fischer keinen Schmaus.

Was frommet ihm sein kluger Sinn,

Die Fische baumeln spottend hin;

Er steht am Ufer fest gebannt,

Kann nicht ins Wasser, ihn hält das Land.


Die glatte Fläche kräuselt sich,

Vom Schuppenvolk bewegt,

Das seine Glieder wonniglich

In sichern Fluten regt.

Forellen zappeln hin und her,

Doch bleibt des Fischers Angel leer,

Sie fühlen, was die Freiheit ist,

Fruchtlos ist Fischers alte List.


Die Erde ist gewaltig schön,

Doch sicher ist sie nicht.

Es senden Stürme Eiseshöh’n,

Der Hagel und der Frost zerbricht

Mit einem Schlage, einem Druck,

Das gold’ne Korn, der Rosen Schmuck;

Den Fischlein unter’m weichen Dach,

Kein Sturm folgt ihnen vom Lande nach.


Johann Mayrhofer

Ulfru Fishing


The rod quivers, the line trembles,

But it comes up easily.

You capricious water sprites

Give the fisherman no feast.

What use is his cunning?

The fish glide away mockingly;

He stands spellbound on the shore,

He cannot enter the water, the land holds him fast.


The smooth surface is ruffled,

Disturbed by the scaly shoals

That swim blithely

In the safe waters.

Trout dart to and fro,

But the fisherman’s rod stays empty;

They feel what freedom is,

The fisherman’s well tried guile is in vain.


The earth is surpassingly beautiful,

But safe it is not.

Storms blow from the icy peaks,

Hail and frost destroy

At one stroke, with one blow,

The golden corn, the roses’ beauty;

The little fish beneath their soft roof

Are pursued by no storm from the land.


Translation © Richard Wigmore

Der Schiffer

Der Schiffer


Im Winde, im Sturme befahr’ ich den Fluss,

Die Kleider durchweichet der Regen im Guss;

Ich peitsche die Wellen mit mächtigem Schlag,

Erhoffend mir heiteren Tag.


Die Wellen, sie jagen das ächzende Schiff,

Es drohet der Strudel, es drohet der Riff,

Gesteine entkollern den felsigen Höh’n,

Und Tannen erseufzen wie Geistergestöh’n.


So musste es kommen, ich hab’ es gewollt,

Ich hasse ein Leben behaglich entrollt;

Und schlängen die Wellen den ächzenden Kahn,

Ich priese doch immer die eigene Bahn.


Drum tose des Wassers ohnmächtiger Zorn,

Dem Herzen entquillet ein seliger Born,

Die Nerven erfrischend, o himmlische Lust,

Dem Sturme zu trotzen mit männlicher Brust!


Johann Mayrhofer

The Boatman


In wind and storm I row on the river,

My clothes are soaked by the pouring rain;

I lash the waves with powerful strokes,

Hoping for a fine day.


The waves drive the creaking boat,

Whirlpool and reef threaten:

Rocks roll down from the craggy heights,

And fir trees sigh like moaning ghosts.


It had to come to this, I wished it so;

I hate a life that unfolds comfortably.

And if the waves devoured the creaking boat,

I would still extol my chosen course.


So let the waters roar with impotent rage;

A fountain of bliss gushes from my heart,

Refreshing my nerves. O celestial joy,

To defy the storm with a manly heart!


Translation © Richard Wigmore

Meet the Young Singers

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Listen to the podcasts

Low Frequency, Big Range: Frederic Jost on Schubert’s Three Italian Songs for Bass D 902

Courage! Marie Seidler on Schubert’s "Sehnsucht" D 636

Living Room Opera: Schubert’s “Szene aus Goethes Faust” D 126

On Mythical Waters: Ancient Greece and Poems by Johann Mayrhofer

Marie Seidler on "An mein Herz" D 860

The Schubert Universe

Artists

Friedrich Dieckmann

Participant

Thomas Hampson

Participant

Susanne Stähr

Participant

To open the Schubert Week, curator Thomas Hampson welcomed noted writer Dr. Friedrich Dieckmann for a conversation about Schubert and his time, hosted by dramaturg and journalist Susanne Stähr. A member of Berlin’s Akademie der Künste, Dieckmann has published books on Schubert, Schiller, Wagner, and Brecht as well as essays on the process of German reunification.

For the third consecutive year, Thomas Hampson invited renowned lied singers and the most promising talents of the younger generation, together with their piano partners, to dedicate an entire week to the world of the Schubert lied—even in these challenging times.

The opening talk was streamed live on Monday, January 18, at 8 pm and will remain available for free on-demand viewing through April 30, 2021.

Current Events

THE SOLDIER'S TALE

CONCERT FOR CHILDREN AND ADULTS IIa

THE SOLDIER'S TALE

CONCERT FOR CHILDREN AND ADULTS IIb