Der Podcast zur Quartett-Woche mit Anthea Kreston: Musikalische Entdeckungsreisen mit dem Arditti Quartet

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„Wir können Mozart nicht fragen, wie er seine Quartette gespielt haben wollte“, sagt Irvine Arditti. „Aber viele der Komponisten, die wir aufführen, können wir fragen, indem wir sie einfach anrufen und sagen: Wie hast Du das gemeint?“ Als eines der bedeutendsten Ensembles für zeitgenössische Musik hat das Arditti Quartet über viereinhalb Jahrzehnte mit Dutzenden von Komponisten zusammengearbeitet und unzählige Uraufführungen gespielt. Für sein Konzert im Pierre Boulez Saal hat das Quartett ein Programm mit Werken von Webern, Nancarrow, Feldman, Birtwistle und Ruth Crawford Seeger zusammengestellt. „Je mehr zeitgenössische Musik man spielt, desto besser versteht man die unterschiedlichen Stile und desto schneller begreift man, wie man an diesen Stücken arbeitet“, erklärt Arditti. „Manches, wofür wir vor 30 oder 40 Jahren Stunden gebraucht haben, geht heute sehr viel schneller.“ Doch trotz all der Erfahrungen, die die vier Musiker gesammelt haben, ist für sie nichts selbstverständlich. „Musik ist wie alles Andere im Leben, wie alles Andere auf der Welt“, sagt Ralf Ehlers, der Bratschist des Quartetts. „Sie kann intellektuell sein, sie kann schwierig sein, sie kann interessant sein, langweilig, laut oder leise. Manchmal ist sie so komplex, dass man sie nicht gleich versteht. Dann muss man den Zugang langsam finden.“

Von Anfang an war es den Mitgliedern des Arditti Quartet wichtig, mit allen Komponisten, deren Musik sie spielen, persönlich zusammenzuarbeiten. Das erscheint umso erstaunlicher, als das Ensemble, wie Irvine Arditti erzählt, „durch bloßen Zufall“ entstand: Die Royal Academy of Music, an der Arditti studierte, verlieh die Ehrendoktorwürde an Krzysztof Penderecki. Man bat Arditti, dazu ein Konzert mit Musik des polnischen Komponisten zu organisieren. Daraufhin holte er drei Freunde zusammen, um gemeinsam eines von Pendereckis Streichquartetten zu spielen. „So fing es an. Wir haben nie als Quartett Unterricht genommen.“ Seitdem haben die vier Musiker einen langen Weg zurückgelegt und ihr Publikum auf manche Entdeckungsreise entführt. Machen sie sich je Sorgen, dass der eine oder die andere unter den Zuhörern sich vielleicht nicht immer traut, ihnen zu folgen? Ja und nein, sagt Arditti. „Man muss den Willen mitbringen, sich auf die Details eines Stücks einzulassen und darauf, wie es gebaut ist. Das heißt aber nicht, dass man das ganze 20. Jahrhundert verstehen muss. Alles, was man braucht, sind Offenheit und die Bereitschaft, Musik zu hören, die man vielleicht nicht so melodisch findet.“

Mehr dazu, wie sich die intellektuelle und die emotionale Seite der Musik ins Gleichgewicht bringen lassen, und was man tut, wenn ein Komponist scheinbar Unmögliches verlangt, hören Sie in Episode 6 unserer Podcast-Serie zur Quartett-Woche, in der sich Anthea Kreston mit Irvine Arditti, Ralf Ehlers und Lucas Fels unterhält.

Künstler

Arditti Quartet

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Programm

Ruth Crawford Seeger

Streichquartett

Anton Webern

Streichquartett op. 28

Morton Feldman

Structures

Conlon Nancarrow

Streichquartett Nr. 3

Harrison Birtwistle

String Quartet

The Tree of Strings

Dauer der Veranstaltung: ca. 1h 45m mit einer Pause

Das Arditti Quartet wird seit Jahrzehnten für seine wegweisenden Interpretationen von Werken des 20. und 21. Jahrhunderts gefeiert. In seinem Konzert verfolgt das Ensemble das vielfältige Erbe der musikalischen Moderne – von ihrer gleichsam reinsten Ausprägung in Werken von Anton Webern und Ruth Crawford Seeger bis zu ihren lebendigen Spuren in zeitgenössischen Werken von Morton Feldman, Conlon Nancarrow und Harrison Birtwistle.

Zum Ende der Saison stellt eine außergewöhnliche Quartett-Woche jene musikalische Gattung in den Mittelpunkt, die für viele der Inbegriff der Kammermusik ist. Vom 7. bis 16. Juni versammeln sich elf internationale Ensembles im Pierre Boulez Saal, um in dessen intimer Atmosphäre die ganze historische und emotionale Spannbreite des Streichquartetts zu beleuchten.