Künstler

Mena Mark Hanna

Redner

Vortrag in englischer Sprache (keine Simultanübersetzung)

Im Jahr 1967 beschrieb Michel Foucault seine damalige Gegenwart als eine Epoche, in der die Frage des Raums eine wichtige Rolle spielt: ein Raum, der geographisch bestimmt oder im Übergang befindlich ist, der politisch oder ideologisch, besetzt oder frei ist. Als die Beschäftigung mit Raum im späten Kapitalismus zunimmt, wachsen sich Foucaults Bedenken zu Besorgnis aus, und er wendet sich beispielsweise künstlerischen Räumen zu, um sich mit den politischen Gegebenheiten von Landnutzung, „Race“ und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Zudem greift er auf Konzepte aus den Dekolonialen Theorien und der „Critical Whiteness Studies“ zurück, um einige unserer geheiligten künstlerischen Räume kritisch zu befragen.

Diese Ringvorlesung widmet sich Themen wie Raum, kulturelle und performative Praxis sowie politisches Engagement in der Kunst. Die Beiträge kreisen dabei um eine Reihe sich kontinuierlich entwickelnder Fragen: Was sind in der künstlerischen Praxis Räume der Ausgrenzung und der Einbeziehung? Auf welche Weise kann Kunst zu gerechter Verteilung von Raum beitragen? Wie werden Räume durch künstlerische Tätigkeit rassifiziert und segregiert? Und auf welche Weise werden gesellschaftspolitische Ideologien durch künstlerische Räume dargestellt und von ihnen reflektiert oder kommentiert?

 

Mena Mark Hanna
A Home for the Bewildered: the Paradox of Concert Hall and Heterotopia

Bei dem Versuch, den Konzertsaal und seine Funktionen als Heterotopie zu beschreiben, geht es mir letztendlich darum, unterschiedliche Formen von „Anderssein“ zu erklären, die durch einen Konzertsaal erfahrbar werden. Als Raum für Kultur und Diskurs kann ein Konzertsaal eine transformative, verstörende und widersprüchliche Erfahrung bieten – und stellt damit, wie ich ausführen werde, eine Erweiterung einer klassischen Musikindustrie dar, der exklusive Normen, Praktiken, soziale Übereinkünfte und Ordnungen inhärent sind.

In einem Konzertsaal manifestiert sich eines der eigenartigsten Paradoxe im Zentrum der klassischen Musikerfahrung: Wie kann der gleiche Gegenstand von verschiedenen Menschen gleichzeitig als so universell und so ausschließend wahrgenommen werden? Ich möchte auf diese Frage eine Antwort vorschlagen, die ihre Wurzeln im postkolonialen Diskurs hat.

 

Prof. Dr. Mena Mark Hanna

Mena Mark Hanna ist Dekan der Barenboim-Said Akademie. Er promovierte am Merton College der Oxford University, wo er Musikwissenschaft und Komposition studierte. Bevor er seine Position bei der Barenboim-Said Akademie antrat, war Hanna stellvertretender künstlerischer Leiter und Dramaturg an der Houston Grand Opera und Gastforscher und -dozent der Musikwissenschaft an der Shepherd School of Music der Rice University.

Hanna unterrichtet außerdem an der Akademie Musikwissenschaft. Die Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre sind der Sakralgesang des Nahen Ostens, Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, Komposition und elektronische Musik. Seine Doktorarbeit, Towards a Structural Theory of Coptic Chant, wird demnächst von The Gingko Library verlegt und über die University of Chicago Press vertrieben.

Hanna erhielt ein Marshall-Stipendium, das James Ingham Halstead Reisestipdendium und den BMI Young Composer Award. Seine Kompositionen sind an der Fondation Royaumont, beim Darmstädter Festival Neuer Musik und bei den ISCM World Music Days aufgeführt worden von Klangkörpern wie Ensemble Linea, Les Cris de Paris, vom Cygnus Ensemble, dem Momenta Quartett und anderen.