Künstler

Michael Bears

Redner

Vortrag in englischer Sprache (keine Simultanübersetzung)

Im Jahr 1967 beschrieb Michel Foucault seine damalige Gegenwart als eine Epoche, in der die Frage des Raums eine wichtige Rolle spielt: ein Raum, der geographisch bestimmt oder im Übergang befindlich ist, der politisch oder ideologisch, besetzt oder frei ist. Als die Beschäftigung mit Raum im späten Kapitalismus zunimmt, wachsen sich Foucaults Bedenken zu Besorgnis aus, und er wendet sich beispielsweise künstlerischen Räumen zu, um sich mit den politischen Gegebenheiten von Landnutzung, „Race“ und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Zudem greift er auf Konzepte aus den Dekolonialen Theorien und der „Critical Whiteness Studies“ zurück, um einige unserer geheiligten künstlerischen Räume kritisch zu befragen.

Diese Ringvorlesung widmet sich Themen wie Raum, kulturelle und performative Praxis sowie politisches Engagement in der Kunst. Die Beiträge kreisen dabei um eine Reihe sich kontinuierlich entwickelnder Fragen: Was sind in der künstlerischen Praxis Räume der Ausgrenzung und der Einbeziehung? Auf welche Weise kann Kunst zu gerechter Verteilung von Raum beitragen? Wie werden Räume durch künstlerische Tätigkeit rassifiziert und segregiert? Und auf welche Weise werden gesellschaftspolitische Ideologien durch künstlerische Räume dargestellt und von ihnen reflektiert oder kommentiert?

 

Michael Baers
The Outside of the Inside and the Inside of the Outside

Seit 2011 habe ich an zwei sehr unterschiedlichen Forschungsprojekten gearbeitet – im einen geht es um das „Picasso in Palestine“-Projekt von 2011, im anderen um das Erbe des Krieges in der Westsahara. Beiden gemeinsam ist ein zugrundeliegendes raumpolitisches Phänomen: Exil, Staatenlosigkeit, militarisierte Grenzen und die problematische Darstellung entrechteter Bevölkerungsgruppen in den Mainstream-Medien. Die Art und Weise, wie die beiden Situationen zugrundeliegende Komplexität einem internationalen Kunstpublikum vermittelt werden kann, ist ein Thema, das in diesen Projekten zur Sprache kommt; inwieweit sie Grenzpunkte aufzeigen, mit denen sich zeitgenössische Kunst konfrontiert sieht, sobald sie eine didaktische Funktion annimmt, ist ein anderes. In diesem Vortrag betrachte ich (mindestens) zwei Arten von Ausschluss, die in der derzeitigen Struktur des Kunstsystems zutage treten und von denen jede damit zusammenhängt, wie das emanzipatorische pädagogische Vorhaben der historischen Avantgarde wiederbelebt werden könnte im Gefolge der Etablierung Postkolonialer Theorien.

 

Michael Baers

Der US-Amerikaner Michael Baers ist Künstler und Autor und lebt in Berlin. 2014 promovierte er im Rahmen des PhD-in-Practice-Programms der Akademie der bildenden Künste Wien. Mit meist skulptural präsentierten Zeichnungen und Drucken war er bei verschiedenen Ausstellungen in Nordamerika und Europa vertreten. Außerdem wurden seine Comics und Essays in zahlreichen Printpublikationen veröffentlicht. 2014 vollendete er ein Graphic Novel über die Geschichte des Projekts Picasso in Palestine, das im Auftrag des Berlin Documentary Forum am Haus der Kulturen der Welt entstand. Seit 2013 recherchiert Michael Baers zum Fotografieprojekt Sahara Occidentale, con poche immagini, das sich mit dem Westsaharakonflikt beschäftigt. In diesem Zusammenhang befasste er sich auch intensiv mit Medientheorie und Bildwissenschaften – insbesondere mit der Geschichte und Theorie der Fotografie – sowie mit der Geschichte Nordwestafrikas. Seine erste Arbeit zu diesem Thema veröffentlichte er 2019.