Der Podcast zur Quartett-Woche mit Anthea Kreston: Das Heath Quartet über Brit(t)en und Europa

Vor allem Benjamin Brittens eher selten aufgeführtes erstes Streichquartett aus dem Jahr 1941 hat es Gary Pomeroy, dem Bratscher des britischen Heath Quartet, angetan, das neben Ravels Streichquartett und Schönbergs berühmten op. 10 beim Konzert des Ensembles am 10. Juni im Pierre Boulez Saal auf dem Programm stand. „Es ist ein unglaublich überschwängliches und genauso nostalgisches Stück. Es hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen,“ erzählt er im Gespräch mit Anthea Kreston in Folge 3 der Podcast-Reihe zur Quartett-Woche. Tatsächlich steht vielleicht gerade dieses Werk Brittens, mit dessen Musik das Heath Quartet seit vielen Jahren inner-, aber vor allem auch außerhalb des Vereinigten Königreichs auf dem europäischen Festland erfolgreich ist, für deren untrennbare kulturelle wie historische Verbundenheit: mit einer langsamen Einleitung wie in der Wiener Klassik, Allusionen an englische Renaissancemusik und Hadyn’schem Witz im Finale will sich Britten ganz bewusst in eine gesamteuropäische Musiktradition einschreiben. Gut möglich, dass er deshalb gerade heute, in Zeiten großer Verunsicherung über die Zukunft dieser Beziehung, für junge britische Künstler wieder besonders attraktiv ist. „Der Brexit ist natürlich tragische Farce, und niemand weiß, wie das ausgeht“, meint Gary Pomeroy. Das Leben international erfolgreicher Ensembles wird durch ihn jedenfalls nicht leichter werden – „vielleicht müssen wir einfach alle in die Toskana ziehen.“

Mehr über den Probenalltag des Heath Quartet und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Musiker auf Reisen gibt es in der dritten Folge unseres Podcasts zur Quartett-Woche zu hören.

Künstler

The Heath Quartet

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Carolyn Sampson

Sopran

Programm

Benjamin Britten

Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25

Maurice Ravel

Streichquartett F-Dur

Arnold Schönberg

Streichquartett Nr. 2 fis-moll mit Sopranstimme op. 10

Dauer der Veranstaltung: ca. 2h mit einer Pause

Das Konzert des Heath Quartet und der Sopranistin Carolyn Sampson verfolgt die verschiedenen Wege, auf denen sich britische und kontinentaleuropäische Komponisten dem Streichquartett genähert haben. Benjamin Britten setzte sich intensiv mit den Vorbildern Beethoven und Haydn auseinander, während Maurice Ravel vor allem den klanglichen Einfluss Debussys zu verarbeiten versuchte. Schönberg schließlich befreite sich von den engen Gattungsvorgaben durch den Einsatz von Gesangsstimme und freien Dissonanzen.

Zum Ende der Saison stellt eine außergewöhnliche Quartett-Woche jene musikalische Gattung in den Mittelpunkt, die für viele der Inbegriff der Kammermusik ist. Vom 7. bis 16. Juni versammeln sich elf internationale Ensembles im Pierre Boulez Saal, um in dessen intimer Atmosphäre die ganze historische und emotionale Spannbreite des Streichquartetts zu beleuchten.