Der Podcast zur Quartett-Woche mit Anthea Kreston: Lehrer und Schüler: Das Michelangelo String Quartet und Studierende der Barenboim-Said Akademie

Gleich zweimal stand das Michelangelo String Quartet während der Quartett-Woche im Pierre Boulez Saal auf der Bühne. Am Freitag Abend eröffnete das Ensemble mit Werken von Strawinsky, Schostakowitsch und Tschaikowsky das abschließende Wochenende des Festivals. Tags darauf präsentierte das Quartett, dessen erste Geigerin Mihaela Martin und Cellist Frans Helmerson Professuren an der Barenboim-Said Akademie innehaben, Streichoktette von George Enescu und Felix Mendelssohn Bartholdy zusammen mit Studierenden der Akademie, darunter Cellistin Danielle Akta und Bratscher Sadra Fayyaz. „Es ist großartig, hier zu sein und Unterricht von so wunderbaren Lehrerinnen und Lehrern zu bekommen“, berichten die beiden in Folge 8 unseres Podcasts zur Quartett-Woche. Regelmäßig spielen sie in verschiedenen Kammermusikformationen im Pierre Boulez Saal, oft unter Anleitung und auch gemeinsam mit Daniel Barenboim. „Es ist eine unglaubliche Chance, mit ihm zu arbeiten. Er kann uns so viel mit auf den Weg geben. Und dabei ist er auf eine angenehme Art sehr offen und ehrlich“, sagt Sadra Fayyaz. Die Ausbildung an der Barenboim-Said Akademie geht über das reine Musikstudium jedoch noch weit hinaus: „Wir haben Seminare in Geisteswissenschaften und Philosophie, in Literatur und europäischer Geschichte.“ Auch die Vergangenheit Berlins, in dessen historischem Zentrum die Akademie steht, lernen die Studierenden kennen: „In diesem Semester erkunden wir sozusagen als Flaneure im Stil von Walter Benjamin oder Kurt Tucholsky die Stadt und schreiben dann Texte über Orte, Plätze und Erinnerungen.“ Hervorragende Musikerinnen und Musiker auszubilden, die zugleich humanistisch geschult und voller eigener Ideen sind – das ist das Ziel der Arbeit der Barenboim-Said Akademie. Wo sie in 20 Jahren sein wollen, wissen Danielle Akta und Sadra Fayyaz übrigens schon ziemlich genau: „Ich will versuchen, Solistin zu werden“, sagt Akta. Fayyaz sieht sich eher als Bratscher in einem guten Orchester. „Und nebenbei möchte ich Bücher schreiben, Romane – das ist mein Traum.“

Künstler

Michelangelo String Quartet

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Programm

Igor Strawinsky

Concertino

Igor Strawinsky

Drei Stücke für Streichquartett

Dmitri Schostakowitsch

Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73

Pjotr Tschaikowsky

Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 22

Dauer der Veranstaltung: ca. 2h mit einer Pause

Wie stellt man sich den Traditionen und formalen Vorgaben einer so etablierten musikalischen Gattung wie dem Streichquartett? Das Konzert des Michelangelo String Quartet zeigt auf, wie verschiedene russische Komponisten auf diese Frage sehr unterschiedliche Antworten gefunden haben: Auf der einen Seite steht Strawinsky, der in seinen Werken für vier Streicher die klassische Quartettform nahezu komplett auflöste, auf der anderen Schostakowitsch, der die überlieferten Strukturen der Gattung aufgriff und radikal weiterentwickelte.

Zum Ende der Saison stellt eine außergewöhnliche Quartett-Woche jene musikalische Gattung in den Mittelpunkt, die für viele der Inbegriff der Kammermusik ist. Vom 7. bis 16. Juni versammeln sich elf internationale Ensembles im Pierre Boulez Saal, um in dessen intimer Atmosphäre die ganze historische und emotionale Spannbreite des Streichquartetts zu beleuchten.