Der Podcast zur Quartett-Woche mit Anthea Kreston: Quatuor Ébène und die vielen Gesichter des Cellos

„Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten, glaubt ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen.“ Dieser oft zitierte Ausspruch Goethes über das Streichquartett bringt sowohl den besonderen Reiz als auch die besonderen Herausforderungen der Gattung auf den Punkt, die sich in der nie ganz aufzulösenden Spannung zwischen den Polen Homogenität und Individualität bewegt, zwischen der Eigenständigkeit der vier Stimmen und ihrem symbiotischen Zusammenklang.

Für Raphaël Merlin, Cellist des französischen Quatuor Ébène, mit dem sich Anthea Kreston für die erste Folge der Podcast-Reihe zur Quartett-Woche am Pierre Boulez Saal unterhalten hat, zeigt sich diese Spannung im Zusammenspiel in immer wiederkehrenden Augenblicken der Fragilität, in denen man Ensemblespieler oft ganz anders reagieren muss, als man es als Solist tun würde: im Streichquartett bekommt etwa das Cello eine völlig neue Rolle, wird zum Kontrabass, zum Rhythmusinstrument, zur Wurzel, die dem „Baum“ Streichquartett Stabilität verleiht.

Für die diffizile musikalische Chemie im Balanceakt Streichquartett wären starre Hierarchie und feste Rollenverteilung alles andere als zuträglich. Hier wird man beständig auf den Kern des Musikmachens zurückgeworfen: Musizieren in einem Streichquartett heißt vor allem, den anderen zuzuhören, ihre Einfälle zu bejahen – und dann als Individuum sein Bestes zu geben.

Mehr aus dem Gespräch zwischen Raphaël Merlin und Anthea Kreston über die besondere musikalische Dynamik des Streichquartett und den Alltag eines Weltklasseensembles auf Welttournee gibt es in der ersten Folge unseres Podcasts zur Quartett-Woche zu hören.


Künstler

Quatuor Ébène

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Programm

Ludwig van Beethoven

Streichquartett F-Dur op. 59/1

Henri Dutilleux

Ainsi la nuit

Ludwig van Beethoven

Streichquartett e-moll op. 59/2

Dauer der Veranstaltung: ca. 2h 15m mit einer Pause

Zum Auftakt der Quartett-Woche widmet sich das französische Quatuor Ébène dem Dreh- und Angelpunkt des Genres: den Streichquartetten Ludwig van Beethovens. Neben den ersten beiden „Rasumowsky-Quartetten“, in denen der Komponist die filigranen Strukturen der Kammermusik mit der klanglichen Dichte der Symphonie vereint, steht auch ein moderner Klassiker auf dem Programm: das Streichquartett Ainsi la nuit von Henri Dutilleux.

Zum Ende der Saison stellt eine außergewöhnliche Quartett-Woche jene musikalische Gattung in den Mittelpunkt, die für viele der Inbegriff der Kammermusik ist. Vom 7. bis 16. Juni versammeln sich elf internationale Ensembles im Pierre Boulez Saal, um in dessen intimer Atmosphäre die ganze historische und emotionale Spannbreite des Streichquartetts zu beleuchten.