Der Podcast zur Quartett-Woche mit Anthea Kreston: Das Quatuor Modigliani über den Reifungsprozess eines Streichquartetts

Mit einer Streichquartett-Formation ist es wie mit einem guten Käse: Sie braucht Zeit zum Reifen – und genau soviel Arbeit, erzählen Amaury Coeytaux und Loïc Rio, die beiden Geiger des Quatuor Modigliani, im Gespräch mit Anthea Kreston in unserem Podcast zur Quartett-Woche. Steht bei den französischen Musikern ein neues Stück auf dem Notenpult, heißt das für jedes einzelne Quartettmitglied zu allererst: viele Stunden üben, bis man den eigenen Part beherrscht. Erst wenn das erledigt ist, kommen die vier Stimmen zusammen. Eine Woche lang wird gearbeitet, der Klang gemischt, an der Dynamik gefeilt, das Zusammenspiel ertüftelt. Und dann: ruhen lassen. Zwei bis drei Monate reift das Stück mit den Erfahrungen aus der Probenarbeit, bis es wieder aus der Schublade hervor geholt und vor einem kleinen Publikum – oft „mitten in Nirgendwo“ – zum ersten Mal öffentlich (aus)probiert wird. „Die Arbeit ist so intensiv und kostet enorm Kraft“, sagen Coeytaux und Rio, aber sie lohnt sich: nach dutzenden Auftritten und unzähligen gemeinsamen Probenstunden stellt sich eine gewisse künstlerische Reife ein, „man fühlt regelrecht jeden Bogenwechsel, spürt jeden Atemzug der anderen.“ Ob im Konzert dann im richtigen Moment alles perfekt zusammenkommt, steht nochmal auf einem anderen Blatt. Aber wenn es passiert, „macht es einfach glücklich“, sagt Coeytaux – anders als der echte Käse, den seine Großeltern in der Normandie herstellten. Auf den war er nämlich leider allergisch.

Mehr über das Quatuor Modigliani und sein mehr als 100 Jahre umspannendes Programm von Debussy bis Saariaho und über die schwierige Herausforderung, die richtigen Instrumente für ein Streichquartett zu finden, hören Sie in Folge 4 unserer Podcast-Reihe zur Quartett-Woche.


Künstler

Quatuor Modigliani

Künstler anzeigen

Programm

Philippe Hersant

Streichquartett Nr. 6

Claude Debussy

Streichquartett g-moll op. 10

Kaija Saariaho

Terra Memoria

Béla Bartók

Streichquartett Nr. 3 Sz 85

Dauer der Veranstaltung: ca. 1h 45m mit einer Pause

Systematisch schreitet das junge französische Quatuor Modigliani in seinem Konzert ein ganzes Jahrhundert ab. Der Bogen spannt sich von Debussys einzigem Streichquartett aus dem Jahr 1892 über Bartóks drittes Quartett, das ganz durchdrungen ist von farbigen Dissonanzen, bis zur Gegenwart, die in zwei sehr unterschiedlichen Werken von Philippe Hersant und Kaija Saariaho gespiegelt wird.

Zum Ende der Saison stellt eine außergewöhnliche Quartett-Woche jene musikalische Gattung in den Mittelpunkt, die für viele der Inbegriff der Kammermusik ist. Vom 7. bis 16. Juni versammeln sich elf internationale Ensembles im Pierre Boulez Saal, um in dessen intimer Atmosphäre die ganze historische und emotionale Spannbreite des Streichquartetts zu beleuchten.