Love Longing Loss

At Home with Charles Lloyd During a Year of the Plague

© Dorothy Darr

Ein Film von Dorothy Darr

Im November 2019 gab Charles Lloyd sein begeistert aufgenommenes Debüt im Pierre Boulez Saal. Zwei weitere für Dezember 2020 geplante Konzerte mussten aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt werden. Der Pierre Boulez Saal beauftragte daraufhin Lloyds Ehefrau, die Malerin und Videokünstlerin Dorothy Darr, die gemeinsame Zeit der Isolation im Haus des Paares im kalifonischen Santa Barbara in einem Filmportrait festzuhalten. Initiiert wurde das Projekt von Piotr Turkiewicz, Kurator für improvisierte Musik und Jazz im Pierre Boulez Saal, der seit vielen Jahren mit Charles Lloyd und Dorothy Darr zusammenarbeitet. Der Film, entstanden über einen Zeitraum von mehreren Monaten und produziert mit iPhone- und Lumix-Kameras sowie einem tragbaren Zoom-Recorder, bietet einen sehr persönlichen Einblick in Leben und Werk Lloyds. Neben Gedanken des Künstlers zu Themen wie Einsamkeit, Widerstand, sozialer Gerechtigkeit und seinen Vorfahren enthält das Portrait auch eine Reihe von musikalischen Solodarbietungen.

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Entdecken Sie Charles Lloyd und seine Musik – in unserer exklusiven Playlist, die eigens vom Künstler und seiner Ehefrau Dorothy Darr zusammengestellt wurde.

Mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Charles Lloyd

Charles Lloyd wurde 1938 in Memphis, Tennessee, geboren. Sein erstes Saxophon bekam er mit neun Jahren, ersten Unterricht erhielt er von Phineas Newborn (Klavier) und Irvin Reason (Saxophon). Als Teenager spielte er regelmäßig mit George Coleman und trat mit Bluesgrößen wie Johnny Ace, Bobby „Blue“ Bland, Howlin’ Wolf und B. B. King auf. 1956 ging er nach Los Angeles, um bei Halsey Stevens an der University of Southern California Musik zu studieren. Abends trat er in den Jazzclubs der Stadt u.a. mit Ornette Coleman, Billy Higgins, Eric Dolphy, Scott LaFaro, Charlie Haden und Bobby Hutcherson auf. 1960 übernahm er die musikalische Leitung im Ensemble von Chico Hamilton und schrieb die Musik für einige von dessen erfolgreichsten Alben. Nach einem Engagement im Sextett von Cannonball Adderley gründete Charles Lloyd 1965 gemeinsam mit Keith Jarrett, Jack DeJohnette und Cecil McBee sein eigenes Quartett, mit dem er in den folgenden Jahren zahlreiche Alben veröffentlichte und auf der ganzen Welt auftrat. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere löste Lloyd 1970 sein Quartett auf und zog sich aus der Jazzszene zurück. In dieser Zeit war er Teil der Tourband der Beach Boys und wirkte an mehreren ihrer Alben mit. 1981 kehrte er auf die Bühne zurück und präsentierte auf mehreren Welttourneen den französischen Pianisten Michel Petrucciani der Öffentlichkeit. 1988 bildete er mit dem schwedischen Pianisten Bobo Stenson ein neues Quartett. Seitdem hat er mit verschiedenen musikalischen Partnern in einer Vielzahl von Formationen zusammengearbeitet, etwa im Duo mit Billy Higgins, mit Jason Moran, Reuben Rogers und Eric Harland im New Quartet oder zuletzt mit Bill Frisell und Greg Leisz in der Gruppe Charles Lloyd & The Marvels. Charles Lloyd ist Ehrendoktor des Berklee College of Music und wurde 2019 zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt.

Dorothy Darr

Dorothy Darr ist Malerin und bildende Künstlerin, deren Werke weltweit zu sehen waren und Teil von internationalen Privatsammlungen sind. Im Alter von fünf Jahren verbrachte sie einige Zeit in Mexico, was ihre Farbpalette entscheidend prägte. Ein Besuch als Jugendliche in Le Corbusiers Chappelle de Notre Dame du Haut hatte großen Einfluss auf ihre Beziehung zur Architektur und ihr Verständnis von Licht und Raum. Zudem spielte Musik zeitlebens für sie eine zentrale Rolle. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und veröffentlichte Werke in Zeitschriften in den USA, Japan, Frankreich und Deutschland. Gemeinsam mit ihrem Mann Charles Lloyd co-produzierte sie dessen letzte 16 Aufnahmen, außerdem gestaltete sie die Cover für sämtliche seiner bei ECM und Blue Note erschienenen Alben. Sie hat fünf Dokumentarfilme über Lloyd gedreht: Memphis Is in Egypt (1996), Home (2004), Ben Ingram vs. the State of Mississippi (2009), Charles Lloyd: Arrows into Infinity (2013) und Love Longing Loss: At Home with Charles Lloyd During a Year of the Plague (2021).