[...] EDWARD W. SAID DAYS 2020 - Pierre Boulez Saal

Art Tongue-Tied By Authority: Power and Subversion in Soviet Musical Culture

Künstler

Elizabeth Wilson

Keynote Speaker

Dauer der Veranstaltung: ca. 1h 30m ohne Pause

In englischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung.

Elizabeth Wilson spricht über Musik in der Sowjetunion. Ihren Ausgangspunkt bildet dabei Dmitri Schostakowitsch, der erste Komponist, den die Sowjetunion selbst hervorgebracht hatte. Die öffentliche Stellung Schostakowitschs im Rampenlicht – oder als Sündenbock – wurde von seinen Zeitgenossen als Indikator für die ideologische Großwetterlage mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Um sein Überleben als Künstler in einer Diktatur zu sichern, musste er Kompromisse eingehen. Doch Kompromisse können viele Gestalten annehmen, und Schostakowitsch wurde schnell zum Meister der Ambiguität, der in seiner Musik vielschichtige Bedeutungen transportierte. Sein Verständnis für die Macht der Subversion erlaubte es ihm, der repressiven kulturellen Ideologie des Stalinismus etwas entgegenzusetzen. Im Zentrum dieses Spannungsfeldes steht Schostakowitschs Vertonung des 66. Sonnetts von William Shakespeare, das Boris Pasternak in den düstersten Jahren des Stalinismus ins Russische übersetzte:

Und Kunst im Zungenbande der Gewalt,
Und Schulenunsinn, der Vernunft entgeistert
Und schlichte Wahrheit, die man Einfalt schalt,
Und wie vom Bösen Gutes wird gemeistert:
Müde von alle dem, wär Tod mir süß

 

In englischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung. Kopfhörer können vor Ort ausgeliehen werden. Ein gültiger Lichtbildausweis (alternativ €20) muss als Pfand hinterlegt werden.

Ergänzend zu Vorträgen und Musik ist während der Edward W. Said Days 2020 im Foyer der Barenboim-Said Akademie die Ausstellung Dry mit Werken des Fotografen Abdo Shanan zu sehen.

Elizabeth Wilson

Elizabeth Wilson wurde in London geboren und studierte von 1964 bis 1971 Violoncello bei Mstislaw Rostropowitsch am Moskauer Konservatorium. Seit einigen Jahrzehnten lebt sie in Italien, wo sie Konzerte gibt, Violoncello unterrichtet und als Autorin von Büchern über Musik und Musikerpersönlichkeiten arbeitet. Sie veröffentlichte u.a. eine Biographie der Cellistin Jacqueline du Pré sowie Mstislav Rostropovich: Musician, Teacher and Legend. 2006 erschienen die zweite Auflage ihres preisgekrönten Buchs Shostakovich: A Life Remembered sowie ihre italienischsprachige Ausgabe der Briefe des Komponisten Trascrivere la vita intera. Die Bücher Elizabeth Wilsons wurden ins Russische, Chinesische, Koreanische und Japanische übersetzt. Derzeit arbeitet sie an einer Biographie der russischen Pianistin Maria Yudina.

Leseempfehlungen

Elizabeth Wilson, Shostakovitsh – A Life Remembered, 1994