Inhalt des Livestreams

  • 00:12:34 Gespräch mit Susan Zarrabi, Frederic Jost und Thomas Hampson (in deutscher Sprache)
  • 00:29:00 Konzert mit Katharina Konradi und Eric Schneider

DIE LIEDER: INTERAKTIV ENTDECKEN

Klicken Sie auf den jeweiligen Titel, um den Text zu lesen. Außerdem finden Sie dort interaktive Informationen zu den Dichterinnen und Dichtern sowie zu den Gedichten.

Franz Schubert

Thekla (Eine Geisterstimme)

Thekla (Eine Geisterstimme)

Wo ich sei, und wo mich hingewendet,

Als mein flücht’ger Schatte dir entschwebt?

Hab’ ich nicht beschlossen und geendet,

Hab’ ich nicht geliebet und gelebt?

Willst du nach den Nachtigallen fragen,

Die mit seelenvoller Melodie

Dich entzückten in des Lenzes Tagen?

Nur so lang’ sie liebten, waren sie.

Ob ich den Verlorenen gefunden?

Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,

Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,

Dort, wo keine Träne wird geweint.

Dorten wirst auch du uns wieder finden,

Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;

Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,

Den der blut’ge Mord nicht mehr erreicht.

Und er fühlt, dass ihn kein Wahn betrogen,

Als er aufwärts zu den Sternen sah;

Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,

Wer es glaubt, dem ist das Heil’ge nah.

Wort gehalten wird in jenen Räumen

Jedem schönen gläubigen Gefühl;

Wage du, zu irren und zu träumen:

Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel.

Friedrich von Schiller

Alles um Liebe

Alles um Liebe

Was ist es, das die Seele füllt?

Ach, Liebe füllt sie, Liebe!

Sie füllt nicht Gold, noch Goldeswert,

Nicht was die schnöde Welt begehrt;

Sie füllt nur Liebe, Liebe!

Was ist es, das die Sehnsucht stillt?

Ach, Liebe stillt sie, Liebe!

Sie stillt nicht Titel, Stand noch Rang,

Und nicht des Ruhmes Schellenklang;

Sie stillt nur Liebe, Liebe!

Gern geb’ ich, was ich hab’ und bin,

Gern geb’ ich’s hin um Liebe.

Des Reichtums bunter Seifenschaum,

Der Wollust Rausch, des Ruhmes Traum,

Was frommt es ohne Liebe!

Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten

An die Nachtigall

An die Nachtigall

Er liegt und schläft an meinem Herzen,

Mein guter Schutzgeist sang ihn ein;

Und ich kann fröhlich sein und scherzen,

Kann jeder Blum’ und jedes Blatts mich freun.

Nachtigall, ach! Nachtigall, ach!

Sing mir den Amor nicht wach!

Matthias Claudius

An mein Klavier

An mein Klavier

Sanftes Klavier,

Welche Entzückungen schaffest du mir,

Sanftes Klavier!

Wenn sich die Schönen

Tändelnd verwöhnen,

Weih’ ich mich dir,

Liebes Klavier !

Bin ich allein,

Hauch’ ich dir meine Empfindungen ein,

Himmlisch und rein.

Unschuld im Spiele,

Tugendgefühle,

Sprechen aus dir,

Trautes Klavier!

Sing’ ich dazu,

Goldener Flügel, welch’ himmlische Ruh’

Lispelst mir du!

Tränen der Freude

Netzen die Saite!

Silberner Klang

Trägt den Gesang.

Sanftes Klavier!

Welche Entzückungen schaffest du mir,

Goldnes Klavier!

Wenn mich im Leben

Sorgen umschweben,

Töne du mir,

Trautes Klavier!

Christian Friedrich Daniel Schubart

Das Zügenglöcklein 

Das Zügenglöcklein

Kling’ die Nacht durch, klinge,

Süßen Frieden bringe

Dem, für den du tönst!

Kling in weite Ferne,

So du Pilger gerne

Mit der Welt versöhnst.

Aber wer will wandern

Zu den Lieben andern,

Die voraus gewallt?

Zog er gern die Schelle

Bebt er an der Schwelle,

Wann „Herein“ erschallt.

Gilt’s dem bösen Sohne,

Der noch flucht dem Tone,

Weil er heilig ist?

Nein, es klingt so lauter

Wie ein Gottvertrauter

Seine Laufbahn schließt.

Aber ist’s ein Müder,

Den verwaist die Brüder,

Dem ein treues Tier

Einzig ließ den Glauben

An die Welt nicht rauben,

Ruf ihn, Gott, zu Dir!

Ist’s der Frohen einer,

Der die Freuden reiner

Lieb’ und Freundschaft teilt,

Gönn’ ihm noch die Wonnen

Unter dieser Sonnen,

Wo er gerne weilt!

Johann Gabriel Seidl

Im Haine

Im Haine

Sonnenstrahlen

Durch die Tannen,

Wie sie fallen

Ziehn von dannen

Alle Schmerzen,

Und im Herzen

Wohnet reiner Friede nur.

Stilles Sausen

Lauer Lüfte,

Und im Brausen

Zarte Düfte,

Die sich neigen

Aus den Zweigen,

Atmet aus die ganze Flur.

Wenn nur immer

Dunkle Bäume,

Sonnenschimmer,

Grüne Säume

Uns umblühten

Und umglühten,

Tilgend aller Qualen Spur!

Franz von Bruchmann

Das Lied im Grünen

Das Lied im Grünen

Ins Grüne, ins Grüne, da lockt uns der Frühling,

Der liebliche Knabe,

Und führt uns am blumenumwundenen Stabe,

Hinaus, wo die Lerchen und Amseln so wach,

In Wälder, auf Felder, auf Hügel, zum Bach,

Ins Grüne, ins Grüne.

Im Grünen, im Grünen, da ruht man so wohl,

Empfindet so Schönes,

Und denket behaglich an Dieses und Jenes,

Und zaubert von hinnen, ach! was uns bedrückt,

Und alles herbei, was den Busen entzückt,

Im Grünen, im Grünen.

Im Grünen, im Grünen, da wurde manch Plänchen

Auf Flügeln getragen,

Die Zukunft der grämlichen Aussicht entschlagen.

Da stärkt sich das Auge, da labt sich der Blick,

Leicht tändelt die Sehnsucht dahin und zurück,

Im Grünen, im Grünen.

Im Grünen, im Grünen am Morgen, am Abend

In traulicher Stille

Da wurde manch Liedchen und manche Idylle

Gedichtet, gespielt, mit Vergnügen und Schmerz.

Denn leicht ist die Lockung, empfänglich das Herz

Im Grünen, im Grünen.

Ins Grüne, ins Grüne lasst heiter uns folgen

Dem freundlichen Knaben!

Grünt einst uns das Leben nicht förder,

So haben wir klüglich die grünende Zeit nicht versäumt,

Und wann es gegolten, doch glücklich geträumt,

Im Grünen, im Grünen.

Friedrich Reil

Die Nonne 

Die Nonne

Es liebt’ in Welschland irgendwo

Ein schöner junger Ritter

Ein Mädchen, das der Welt entfloh,

Trotz Klostertor und Gitter;

Sprach viel von seiner Liebespein,

Und schwur, auf seinen Knieen,

Sie aus dem Kerker zu befreien,

Und stets für sie zu glühen.

„Bei diesem Muttergottesbild,

Bei diesem Jesuskinde,

Das ihre Mutterarme füllt,

Schwör’ ich’s dir, o Belinde!

Dir ist mein ganzes Herz geweiht,

So lang ich Odem habe;

Bei meiner Seelen Seligkeit!

Dich lieb’ ich bis zum Grabe.“

Was glaubt ein armes Mädchen nicht,

Zumal in einer Zelle?

Ach! sie vergaß der Nonnenpflicht,

Des Himmels und der Hölle.

Die, von den Engeln angeschaut,

Sich ihrem Jesu weihte,

Die reine schöne Gottesbraut,

Ward eines Frevlers Beute.

Drauf wurde, wie die Männer sind,

Sein Herz von Stund’ an lauer,

Er überließ das arme Kind

Auf ewig ihrer Trauer.

Vergaß der alten Zärtlichkeit,

Und aller seiner Eide,

Und floh, im bunten Galakleid,

Nach neuer Augenweide.

Begann mit andern Weibern Reihn,

Im kerzenhellen Saale,

Gab andern Weibern Schmeichelein,

Beim lauten Traubenmahle,

Und rühmte sich des Minneglücks

Bei seiner schönen Nonne,

Und jedes Kusses, jedes Blicks,

Und jeder andern Wonne.

Die Nonne, voll von welscher Wut,

Entglüht’ in ihrem Mute,

Und sann auf nichts als Dolch und Blut,

Und träumte nur von Blute.

Sie dingte plötzlich eine Schar

Von wilden Meuchelmördern,

Den Mann, der treulos worden war,

Ins Totenreich zu fördern.

Die bohren manches Mörderschwert

In seine schwarze Seele.

Sein schwarzer, falscher Geist entfährt,

Wie Schwefeldampf der Höhle.

Er wimmert durch die Luft, wo sein

Ein Krallenteufel harret.

Drauf ward sein blutendes Gebein

In eine Gruft verscharret.

Die Nonne flog, wie Nacht begann,

Zur kleinen Dorfkapelle,

Und riss den wunden Rittersmann

Aus seiner Ruhestelle.

Riss ihm das Bubenherz heraus,

Und warf’s, den Zorn zu büßen,

Dass dumpf erscholl das Gotteshaus,

Und trat es mit dem Füßen.

Ihr Geist soll, wie die Sagen gehn,

In dieser Kirche weilen,

Und, bis im Dorf die Hähne krähn,

Bald wimmern, und bald heulen.

Sobald der Hammer zwölfe schlägt,

Rauscht sie, an Grabsteinwänden,

Aus einer Gruft empor, und trägt

Ein blutend Herz in Händen.

Die tiefen, hohlen Augen sprühn

Ein düsterrotes Feuer,

Und glühn, wie Schwefelflammen glühn,

Durch ihren weißen Schleier.

Sie gafft auf das zerrissne Herz,

Mit wilder Rachgebärde,

Und hebt es dreimal himmelwärts,

Und wirft es auf die Erde;

Und rollt die Augen voller Wut,

Die eine Hölle blicken,

Und schüttelt aus der Schleier Blut,

Und stampft das Herz in Stücken.

Ein bleicher Totenflimmer macht

Indes die Fenster helle.

Der Wächter, der das Dorf bewacht,

Sah’s oft in der Kapelle.

Ludwig Hölty

Der Geistertanz

Der Geistertanz

Die bretterne Kammer

Der Toten erbebt,

Wenn zwölfmal den Hammer

Die Mitternacht hebt.

Rasch tanzen um Gräber

Und morsches Gebein

Wir luftigen Schweber

Den sausenden Reih’n.

Was winseln die Hunde

Beim schlafenden Herrn?

Sie wittern die Runde

Der Geister von fern.

Die Raben entflattern

Der wüsten Abtei,

Und flieh’n an den Gattern

Des Kirchhofs vorbei.

Wir gaukeln und scherzen

Hinab und empor

Gleich irrenden Kerzen

Im dunstigen Moor.

O Herz, dessen Zauber

Zur Marter uns ward,

Du ruhst nun in tauber

Verdumpfung erstarrt;

Tief bargst du im düstern

Gemach unser Weh;

Wir Glücklichen flüstern

Dir fröhlich: Ade!

Friedrich von Matthisson

Die junge Nonne

Die junge Nonne

Wie braust durch die Wipfel der heulende Sturm!

Es klirren die Balken, es zittert das Haus!

Es rollet der Donner, es leuchtet der Blitz,

Und finster die Nacht, wie das Grab!

Immerhin so tobt’ es auch jüngst noch in mir!

Es brauste das Leben, wie jetzo der Sturm,

Es bebten die Glieder, wie jetzo das Haus,

Es flammte die Liebe, wie jetzo der Blitz,

Und finster die Brust, wie das Grab.

Nun tobe, du wilder, gewalt’ger Sturm,

Im Herzen ist Friede, im Herzen ist Ruh,

Des Bräutigams harret die liebende Braut,

Gereinigt in prüfender Glut,

Der ewigen Liebe getraut.

Ich harre, mein Heiland, mit sehnendem Blick!

Komm, himmlischer Bräutigam, hole die Braut,

Erlöse die Seele von irdischer Haft.

Horch, friedlich ertönet das Glöcklein vom Turm!

Es lockt mich das süße Getön

Allmächtig zu ewigen Höh’n. Alleluia!

Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta

Lied der Mignon I 

Lied der Mignon I

Nur wer die Sehnsucht kennt

Weiß, was ich leide!

Allein und abgetrennt

Von aller Freude,

Seh’ ich an’s Firmament

Nach jener Seite.

Ach! der mich liebt und kennt

Ist in der Weite.

Es schwindelt mir, es brennt

Mein Eingeweide.

Nur wer die Sehnsucht kennt

Weiß, was ich leide!

Johann Wolfgang von Goethe

Lied der Mignon II

Lied der Mignon II

Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,

Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht;

Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,

Allein das Schicksal will es nicht.

Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf

Die finstre Nacht, und sie muss sich erhellen;

Der harte Fels schließt seinen Busen auf,

Missgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.

Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,

Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen;

Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,

Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.

Johann Wolfgang von Goethe

Lied der Mignon III

Lied der Mignon III

So lasst mich scheinen, bis ich werde,

Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!

Ich eile von der schönen Erde

Hinab in jenes dunkle Haus.

Dort ruh’ ich eine kleine Stille,

Dann öffnet sich der frische Blick;

Ich lasse dann die reine Hülle,

Den Gürtel und den Kranz zurück.

Und jene himmlischen Gestalten

Sie fragen nicht nach Mann und Weib,

Und keine Kleider, keine Falten

Umgeben den verklärten Leib.

Zwar lebt’ ich ohne Sorg’ und Mühe,

Doch fühlt’ ich tiefen Schmerz genug.

Vor Kummer altert’ ich zu frühe;

Macht mich auf ewig wieder jung!

Johann Wolfgang von Goethe

Verklärung

Verklärung

Lebensfunke, vom Himmel entglüht,

Der sich loszuwinden müht!

Zitternd-kühn, vor Sehnen leidend,

Gern und doch mit Schmerzen scheidend –

End’, o end’ den Kampf, Natur!

Sanft ins Leben

Aufwärts schweben,

Sanft hinschwinden lass mich nur.

Horch! mir lispeln Geister zu:

„Schwester-Seele, komm zur Ruh!“

Ziehet was mich sanft von innen?

Was ist’s, was mir meine Sinnen,

Mir den Hauch zu rauben droht?

Seele, sprich, ist das der Tod?

Die Welt entweicht! sie ist nicht mehr!

Engel-Einklang um mich her!

Ich schweb’ im Morgenrot!

Leiht, o leiht mir eure Schwingen,

Ihr Bruder-Geister, helft mir singen:

„O Grab, wo ist dein Sieg?
Wo ist dein Pfeil, o Tod ?“

Deutsch von Johann Gottfried Herder (1744–1803)

Dass sie hier gewesen

Dass sie hier gewesen

Dass der Ostwind Düfte

Hauchet in die Lüfte,

Dadurch tut er kund,

Dass du hier gewesen.

Dass hier Tränen rinnen,

Dadurch wirst du innen,

Wär’s dir sonst nicht kund,

Dass ich hier gewesen.

Schönheit oder Liebe,

Ob versteckt sie bliebe?

Düfte tun es und Tränen kund,

Dass sie hier gewesen.

Friedrich Rückert

Des Mädchens Klage 

Des Mädchens Klage

Der Eichwald braust, die Wolken ziehn,

Das Mägdlein sitzt an Ufers Grün,

Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,

Und sie seufzt hinaus in die finstere Nacht,

Das Auge vom Weinen getrübet.

„Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer,

Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr,

Du Heilige, rufe dein Kind zurück,

Ich habe genossen das irdische Glück,

Ich habe gelebt und geliebet!“

Friedrich von Schiller

Leiden der Trennung

Leiden der Trennung

Vom Meere trennt sich die Welle,

Und seufzet durch Blumen im Tal,

Und fühlet, gewiegt in der Quelle,

Gebannt in dem Brunnen, nur Qual!

Es sehnt sich die Welle

In lispelnder Quelle,

Im murmelnden Bache,

Im Brunnengemache

Zum Meer, von dem sie kam,

Von dem sie Leben nahm,

Von dem, des Irrens matt und müde,

Sie süße Ruh’ verhofft und Friede.

Heinrich von Collin 

nach Pietro Metastasio 

An mein Herz

An mein Herz

O Herz, sei endlich stille!

Was schlägst du so unruhvoll?

Es ist ja des Himmels Wille,

Dass ich sie lassen soll.

Und gab auch dein junges Leben

Dir nichts als Wahn und Pein;

Hat’s ihr nur Freude gegeben,

So mag’s verloren sein!

Und wenn sie auch nie dein Lieben

Und nie dein’ Liebe verstand,

So bist du doch treu geblieben,

Und Gott hat’s droben erkannt.

Wir wollen es mutig ertragen,

So lang nur die Träne noch rinnt,

Und träumen von schöneren Tagen,

Die lange vorüber sind.

Und siehst du die Blüten erscheinen,

Und singen die Vögel umher,

So magst du wohl heimlich weinen,

Doch klagen sollst du nicht mehr.

Geh’n doch die ewigen Sterne

Dort oben mit goldenem Licht

Und lächeln so freundlich von ferne,

Und denken doch unser nicht.

Ernst Schulze

Thekla (Eine Geisterstimme)

Thekla (Eine Geisterstimme)

Wo ich sei, und wo mich hingewendet,

Als mein flücht’ger Schatte dir entschwebt?

Hab’ ich nicht beschlossen und geendet,

Hab’ ich nicht geliebet und gelebt?

Willst du nach den Nachtigallen fragen,

Die mit seelenvoller Melodie

Dich entzückten in des Lenzes Tagen?

Nur so lang’ sie liebten, waren sie.

Ob ich den Verlorenen gefunden?

Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,

Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,

Dort, wo keine Träne wird geweint.

Dorten wirst auch du uns wieder finden,

Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;

Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,

Den der blut’ge Mord nicht mehr erreicht.

Und er fühlt, dass ihn kein Wahn betrogen,

Als er aufwärts zu den Sternen sah;

Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,

Wer es glaubt, dem ist das Heil’ge nah.

Wort gehalten wird in jenen Räumen

Jedem schönen gläubigen Gefühl;

Wage du, zu irren und zu träumen:

Hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiel.

Friedrich von Schiller

Lied des Florio 

Lied des Florio

Nun, da Schatten niedergleiten,

Und die Lüfte zärtlich wehen,

Dringet Seufzen aus der Seele,

Und umgirrt die treuen Saiten.

Klaget, dass ihr mit mir sterbet

Bittern Tod, wenn die nicht heilet,

Die den Becher mir gereichet,

Voller Gift, dass ich und ihr verderbet.

Erst mit Tönen, sanft wie Flöten,

Goss sie Schmerz in meine Adern;

Sehen wollte sie der Kranke,

Und nun wird ihr Reiz ihn töten.

Nacht, komm her, mich zu umwinden

Mit dem farbenlosen Dunkel!

Ruhe will ich bei dir suchen,

Die mir Not tut bald zu finden.

Christian Wilhelm von Schütz

Lied der Delphine

Lied der Delphine

Ach, was soll ich beginnen

Vor Liebe?

Ach, wie sie innig durchdringet

Mein Innres!

Siehe, Jüngling, das Kleinste

Vom Scheitel

Bis zur Sohl’ ist dir einzig

Geweihet.

O Blumen! Blumen! verwelket,

Euch pfleget

Nur, bis sie Lieb’ erkennet,

Die Seele.

Nichts will ich tun, wissen und haben,

Gedanken

Der Liebe, die mächtig mich fassen,

Nur tragen.

Immer sinn’ ich, was ich aus Inbrust

Wohl könnte tun,

Doch zu sehr hält mich Liebe im Druck,

Nichts lässt sie zu.

Jetzt, da ich liebe, möcht’ ich erst brennen,

Und sterbe.

Jetzt, da ich liebe, möcht’ ich hell brennen,

Und welke.

Wozu auch Blumen reihen und wässern?

Entblättert!

So sieht, wie Liebe mich entkräftet,

Sein Spähen.

Der Rose Wange will bleichen,

Auch meine.

Ihr Schmuck zerfällt, wie verscheinen

Die Kleider.

Ach Jüngling, da du mich erfreuest

Mit Treue,

Wie kann mich mit Schmerz so bestreuen

Die Freude?

Christian Wilhelm von Schütz

Künstler

Katharina Konradi

Sopran

Eric Schneider

Klavier

Programm

Franz Schubert

Thekla (Eine Geisterstimme) I D 73

Franz Schubert

Alles um Liebe D 241

Franz Schubert

An die Nachtigall D 497 „Er liegt und schläft“

Franz Schubert

An mein Klavier D 342

Franz Schubert

Das Zügenglöcklein D 871

Franz Schubert

Im Haine D 738

Franz Schubert

Das Lied im Grünen D 917

Franz Schubert

Die Nonne D 208

Franz Schubert

Der Geistertanz D 116

Franz Schubert

Die junge Nonne D 828

Franz Schubert

Lied der Mignon D 877/4 „Nur wer die Sehnsucht kennt“

Franz Schubert

Lied der Mignon D 877/2 „Heiß mich nicht reden“

Franz Schubert

Lied der Mignon D 877/3 „So lasst mich scheinen“

Franz Schubert

Verklärung D 59

Franz Schubert

Dass sie hier gewesen D 775

Franz Schubert

Des Mädchens Klage D 389

Franz Schubert

Leiden der Trennung D 509

Franz Schubert

An mein Herz D 860

Franz Schubert

Thekla (Eine Geisterstimme) II D 595

Franz Schubert

Lied des Florio D 857/2

Franz Schubert

Lied der Delphine D 857/1

Dauer der Veranstaltung: ca. 1h 15m ohne Pause

Zum Abschluss der Schubert-Woche war Katharina Konradi erstmals im Pierre Boulez Saal zu erleben. Die Sopranistin, die im Sommer 2019 bei den Bayreuther Festspielen debütierte und seit der Spielzeit 2018/19 dem Ensemble der Hamburgischen Staatsoper angehört, interpretierte gemeinsam mit ihrem Klavierpartner Eric Schneider u.a. Schuberts Mignon-Lieder aus Goethes Wilhelm Meister.

Zum dritten Mal widmeten sich auf Einladung von Thomas Hampson namhafte Liedsängerinnen und -sänger und die vielversprechendsten Talente der kommenden Generation gemeinsam mit ihren Klavierpartnern eine ganze Woche lang dem Schubert-Lied – auch unter Pandemiebedingungen.

Das Konzert wurde am Sonntag, den 24. Januar um 20 Uhr per Livestream übertragen und bleibt bis zum 30. April 2021 kostenlos abrufbar.