DIE GEDICHTE: INTERAKTIV ENTDECKEN

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Der Sänger 

Franz Schubert

Der Sänger

„Was hör’ ich draußen vor dem Tor,

Was auf der Brücke schallen?

Lass den Gesang vor unserm Ohr

Im Saale widerhallen!“

Der König sprach’s, der Page lief,

Der Page kam, der König rief:

„Lasst mir herein den Alten!“

„Gegrüßet seid mir, edle Herrn,

Gegrüßt ihr schönen Damen!

Welch’ reicher Himmel! Stern bei Stern!

Wer kennet ihre Namen?

Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit

Schließt Augen euch, hier ist nicht Zeit,

Sich staunend zu ergötzen.“

Der Sänger drückt’ die Augen ein

Und schlug in vollen Tönen;

Die Ritter schauten mutig drein,

Und in den Schoß die Schönen.

Der König, dem es wohlgefiel,

Ließ, ihn zu ehren für sein Spiel,

Eine goldne Kette holen.

„Die goldne Kette gib mir nicht,

Die Kette gib den Rittern,

Vor deren kühnem Angesicht

Der Feinde Lanzen splittern.

Gib sie dem Kanzler, den du hast,

Und lass ihn noch die goldne Last

Zu andern Lasten tragen.

Ich singe, wie der Vogel singt,

Der in den Zweigen wohnet;

Das Lied, das aus der Kehle dringt,

Ist Lohn, der reichlich lohnet.

Doch darf ich bitten, bitt’ ich eins:

Lass mir den besten Becher Weins

In purem Golde reichen.“

Er setzt’ ihn an, er trank ihn aus:

„O Trank voll süßer Labe!

O, wohl dem hochbeglückten Haus,

Wo das ist kleine Gabe!

Ergeht’s euch wohl, so denkt an mich

Und danket Gott so warm, als ich

Für diesen Trunk euch danke.“

Johann Wolfgang von Goethe

Auf dem Land und in der Stadt

Anna Amalia von Sachsen-Weimar

Auf dem Land und in der Stadt

Erwin

Auf dem Land und in der Stadt

Hat man eitel Plagen,

Muss ums Bisschen, was man hat,

Sich mit’m Nachbar schlagen.

Rings auf Gottes Erde weit

Ist nur Hunger, Kummer, Neid,

Dich hinauszutreiben.

Bernardo

Erdennot ist keine Not

Als dem Feig- und Matten.

Arbeit schafft Dir täglich Brot,

Dach und Fach und Schatten.

Rings, wo Gottes Sonne scheint,

Findst ein Mädchen, findst einen Freund,

Lass’ uns immer bleiben!

Johann Wolfgang von Goethe

Das Blümlein Wunderschön

Johann Rudolph Zumsteeg

Das Blümlein Wunderschön

Graf

Ich kenn’ ein Blümlein Wunderschön

Und trage darnach Verlangen,

Ich möcht’ es gerne zu suchen gehn,

Allein ich bin gefangen.

Die Schmerzen sind mir nicht gering,

Denn als ich in der Freiheit ging,

Da hatt’ ich es in der Nähe.

Von diesem ringsum steilen Schloss

Lass ich die Augen schweifen,

Und kann’s vom hohen Turmgeschoss

Mit Blicken nicht ergreifen,

Und wer mir’s vor die Augen brächt’,

Er wäre Ritter oder Knecht,

Der sollt’ mein Trauter bleiben.

Rose

Ich blühe schön und höre dies,

Hier unter deinem Gitter.

Du meinest mich, die Rose, gewiss,

Du edler armer Ritter!

Du hast gar einen hohen Sinn,

Es herrscht die Blumenkönigin

Gewiss auch in deinem Herzen.

Graf

Im grünen Überkleide;

Darob das Mädchen dein begehrt,

Wie Gold und edel Geschmeide.

Dein Kranz erhöht das schönste Gesicht:

Allein du bist das Blümchen nicht,

Das ich im Stillen verehre.

Das Röschen hat gar stolzen Brauch

Und strebet immer nach oben;

Doch wird ein liebes Liebchen auch

Der Lilie Zierde loben.

Wem’s Herze schlägt in treuer Brust

Und ist sich rein, wie ich, bewusst,

Der hält mich wohl am höchsten.

Graf

Ich nenne mich zwar keusch und rein,

Und rein von bösen Fehlen;

Doch muss ich hier gefangen sein

Und muss mich einsam quälen.

Du bist mir zwar ein schönes Bild

Von mancher Jungfrau rein und mild,

Doch weiß ich noch was Liebers.

Das mag wohl ich die Nelke sein,

Hier in des Wächters Garten,

Wie würde sonst der Alte mein

Mit so viel Sorge warten?

Im schönen Kreis der Blätter Drang,

Und Wohlgeruch das Leben lang,

Und alle tausend Farben.

Graf

Sie ist des Gärtners Wonne,

Bald muss sie in dem Lichte stehn,

Bald schützt er sie vor der Sonne,

Doch was den Grafen glücklich macht

Es ist nicht ausgesuchte Pracht,

Es ist ein stilles Blümchen.

Veilchen

Ich steh verborgen und gebückt,

Und mag nicht gerne sprechen,

Doch will ich, weil sich’s eben schickt,

Mein tiefes Schweigen brechen.

Wenn ich es bin, du guter Mann,

Wie schmerzt mich’s, dass ich hinauf nicht kann,

Dir alle Gerüche senden.

Graf

Das gute Veilchen schätz’ ich sehr,

Es ist sogar bescheiden

Und duftet so schön; doch brauch’ ich mehr

In meinen herben Leiden;

Ich will es euch nur eingestehn:

Auf diesen dürren Felsenhöh’n

Ist’s Liebchen nicht zu finden.

Doch wandelt unten an dem Bach,

Das treuste Weib der Erde,

Und seufzet leise manches Ach,

Bis ich erlöset werde.

Wenn sie ein blaues Blümchen bricht

Und immer sagt: Vergiss mein nicht!

So fühl’ ich’s in der Ferne.

Ja, in der Ferne fühlt sich die Macht,

Wenn zwei sich redlich lieben,

Drum bin ich in des Kerkers Nacht

Auch noch lebendig geblieben,

Und wenn mir fast das Herze bricht,

So ruf’ ich nur: Vergiss mein nicht!

Da komm’ ich wieder ins Leben.

Johann Wolfgang von Goethe

Schäfers Klagelied

Václav Jan Tomášek

Schäfers Klagelied

Da droben auf jenem Berge,

Da steh’ ich tausendmal,

An meinem Stabe gebogen

Und schaue hinab in das Tal.

Dann folg’ ich der weidenden Herde,

Mein Hündchen bewahret mir sie.

Ich bin herunter gekommen

Und weiß doch selber nicht wie.

Da stehet von schönen Blumen

Die ganze Wiese so voll.

Ich breche sie, ohne zu wissen,

Wem ich sie geben soll.

Und Regen, Sturm und Gewitter

Verpass’ ich unter dem Baum.

Die Türe dort bleibet verschlossen;

Doch alles ist leider ein Traum.

Es stehet ein Regenbogen

Wohl über jenem Haus!

Sie aber ist weggezogen,

Und weit in das Land hinaus.

Hinaus in das Land und weiter,

Vielleicht gar über die See.

Vorüber, ihr Schafe, vorüber!

Dem Schäfer ist gar so weh.

Johann Wolfgang von Goethe

Um Mitternacht

Carl Friedrich Zelter

Um Mitternacht

Um Mitternacht ging ich, nicht eben gerne,

Klein kleiner Knabe jenen Kirchhof hin

Zu Vaters Haus, des Pfarrers, Stern an Sterne,

Sie leuchteten doch alle gar zu schön,

Um Mitternacht.

Wenn ich dann ferner in des Lebens Weite

Zur Liebsten musste, musste, weil sie zog,

Gestirn und Nordschein über mir im Streite.

Ich gehend, kommend Seeligkeiten sog,

Um Mitternacht.

Bis dann zuletzt des vollen Mondes Helle

So klar und deutlich mir ins Finstere drang,

Auch der Gedanke willig, sinnig, schnelle

Sich ums Vergangne wie ums Künftige schlang,

Um Mitternacht.

Johann Wolfgang von Goethe

Maigesang

Ludwig van Beethoven

Maigesang

Wie herrlich leuchtet

Mir die Natur!

Wie glänzt die Sonne!

Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten

Aus jedem Zweig

Und tausend Stimmen

Aus dem Gesträuch,

Und Freud und Wonne

Aus jeder Brust.

O Erd, o Sonne!

O Glück, o Lust!

O Lieb, o Liebe!

So golden schön,

Wie Morgenwolken

Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich

Das frische Feld,

Im Blütendampfe

Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,

Wie lieb ich dich!

Wie blickt dein Auge!

Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche

Gesang und Luft,

Und Morgenblumen

Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe

Mit warmen Blut,

Die du mir Jugend

Und Freud und Mut

Zu neuen Liedern

Und Tänzen gibst.

Sei ewig glücklich,

Wie du mich liebst!

Johann Wolfgang von Goethe

Beherzigung

Johann Friedrich Reichardt

Beherzigung

Ach, was soll der Mensch verlangen?

Ist es besser, ruhig bleiben?

Klammernd fest sich anzuhangen?

Ist es besser, sich zu treiben?

Soll er sich ein Häuschen bauen?

Soll er unter Zelten leben?

Soll er auf die Felsen trauen?

Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle;

Sehe jeder, wie er’s treibe,

Sehe jeder, wo er bleibe,

Und wer steht, dass er nicht falle!

Johann Wolfgang von Goethe

Erlkönig

Carl Loewe

Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“ –

„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?

Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?“

„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“ –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;

Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,

Meine Mutter hat manch’ gülden Gewand.“ –

„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,

Was Erlenkönig mir leise verspricht?“ –

„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:

In dürren Blättern säuselt der Wind.“ –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?

Meine Töchter sollen dich warten schön;

Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn

Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

„Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort

Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“

„Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:

Es scheinen die alten Weiden so grau.“

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;

Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ –

„Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!

Erlkönig hat mir ein Leids getan!“ –

Dem Vater grausets, er reitet geschwind,

Er hält in Armen das ächzende Kind,

Erreicht den Hof mit Müh’ und Not:

In seinen Armen das Kind war tot.

Johann Wolfgang von Goethe

Wandrers Nachtlied

Carl Loewe

Wandrers Nachtlied

Über allen Gipfeln

Ist Ruh’,

In allen Wipfeln

Spürest du

Kaum einen Hauch;

Die Vögelein schweigen im Walde.

Warte nur, balde

Ruhest du auch.

Johann Wolfgang von Goethe

Erlkönig

Franz Schubert

Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“ –

„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?

Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?“

„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“ –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;

Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,

Meine Mutter hat manch’ gülden Gewand.“ –

„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,

Was Erlenkönig mir leise verspricht?“ –

„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:

In dürren Blättern säuselt der Wind.“ –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?

Meine Töchter sollen dich warten schön;

Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn

Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

„Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort

Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“

„Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:

Es scheinen die alten Weiden so grau.“

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;

Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ –

„Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!

Erlkönig hat mir ein Leids getan!“ –

Dem Vater grausets, er reitet geschwind,

Er hält in Armen das ächzende Kind,

Erreicht den Hof mit Müh’ und Not:

In seinen Armen das Kind war tot.

Johann Wolfgang von Goethe

Der Wanderer an den Mond

Franz Schubert

Der Wanderer an den Mond

Ich auf der Erd’, am Himmel du,
Wir wandern beide rüstig zu:

Ich ernst und trüb, du mild und rein,

Was mag der Unterschied wohl sein?

Ich wandre fremd von Land zu Land,

So heimatlos, so unbekannt;

Bergauf, bergab, Wald ein, Wald aus,

Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.

Du aber wanderst auf und ab

Aus Ostens Wieg’ in Westens Grab,

Wallst Länder ein und Länder aus,

Und bist doch, wo du bist, zu Haus.

Der Himmel, endlos ausgespannt,

Ist dein geliebtes Heimatland:

O glücklich, wer, wohin er geht,

Doch auf der Heimat Boden steht!

Johann Gabriel Seidl

Das Zügenglöcklein

Franz Schubert

Das Zügenglöcklein

Kling’ die Nacht durch, klinge,

Süßen Frieden bringe

Dem, für den du tönst!

Kling in weite Ferne,

So du Pilger gerne

Mit der Welt versöhnst.

Aber wer will wandern

Zu den Lieben andern,

Die voraus gewallt?

Zog er gern die Schelle

Bebt er an der Schwelle,

Wann „Herein“ erschallt.

Gilt’s dem bösen Sohne,

Der noch flucht dem Tone,

Weil er heilig ist?

Nein, es klingt so lauter

Wie ein Gottvertrauter

Seine Laufbahn schließt.

Aber ist’s ein Müder,

Den verwaist die Brüder,

Dem ein treues Tier

Einzig ließ den Glauben

An die Welt nicht rauben,

Ruf ihn, Gott, zu Dir!

Ist’s der Frohen einer,

Der die Freuden reiner

Lieb’ und Freundschaft teilt,

Gönn’ ihm noch die Wonnen

Unter dieser Sonnen

Wo er gerne weilt!

Johann Gabriel Seidl

Am Fenster

Franz Schubert

Am Fenster

Ihr lieben Mauern, hold und traut,

Die ihr mich kühl umschließt,

Und silberglänzend niederschaut,

Wenn droben Vollmond ist!

Ihr saht mich einst so traurig da,

Mein Haupt auf schlaffer Hand,

Als ich in mir allein mich sah,

Und keiner mich verstand.

Jetzt brach ein ander Licht heran,

Die Trauerzeit ist um,

Und manche zieh’n mit mir die Bahn

Durch’s Lebensheiligtum.

Sie raubt der Zufall ewig nie

Aus meinem treuen Sinn,

In tiefster Seele trag’ ich sie,

Da reicht kein Zufall hin.

Du Mauer wähnst mich trüb wie einst,

Das ist die stille Freud;

Wenn du vom Mondlicht widerscheinst,

Wird mir die Brust so weit.

An jedem Fenster wähn’ ich dann

Ein Freundeshaupt, gesenkt,

Das auch so schaut zum Himmel an,

Das auch so meiner denkt.

Johann Gabriel Seidl

Im Freien

Franz Schubert

Im Freien

Draußen in der weiten Nacht

Steh ich wieder nun,

Ihre helle Sternenpracht

Lässt mein Herz nicht ruhn!

Tausend Arme winken mir

Süß begehrend zu,

Tausend Stimmen rufen hier,

„Grüß dich, Trauter, du!“

O ich weiß auch, was mich zieht,

Weiß auch, was mich ruft,

Was wie Freundes Gruß und Lied

Locket durch die Luft.

Siehst du dort das Hüttchen stehn,

Drauf der Mondschein ruht.

Durch die blanken Scheiben sehn

Augen, die mir gut!

Siehst du dort das Haus am Bach,

Das der Mond bescheint?

Unter seinem trauten Dach

Schläft mein liebster Freund.

Siehst du jenen Baum, der voll

Silberflocken flimmt?

O wie oft mein Busen schwoll,

Froher dort gestimmt!

Jedes Plätzchen, das mir winkt,

Ist ein teurer Platz,

Und wohin ein Strahl nur sinkt,

Lockt ein teurer Schatz.

Drum auch winkt mir’s überall

So begehrend hier,

Drum auch ruft es, wie der Schall

Trauter Liebe mir.

Johann Gabriel Seidl

Das Fischermädchen

Franz Schubert

Das Fischermädchen

Du schönes Fischermädchen,

Treibe den Kahn ans Land;

Komm zu mir und setze dich nieder,

Wir kosen Hand in Hand.

Leg an mein Herz dein Köpfchen,

Und fürchte dich nicht zu sehr,

Vertraust du dich doch sorglos

Täglich dem wilden Meer.

Mein Herz gleicht ganz dem Meere,

Hat Sturm und Ebb’ und Flut,

Und manche schöne Perle

In seiner Tiefe ruht.

Heinrich Heine

Die Stadt

Franz Schubert

Die Stadt

Am fernen Horizonte

Erscheint, wie ein Nebelbild,

Die Stadt mit ihren Türmen

In Abenddämmrung gehüllt.

Ein feuchter Windzug kräuselt

Die graue Wasserbahn;

Mit traurigem Takte rudert

Der Schiffer in meinem Kahn.

Die Sonne hebt sich noch einmal

Leuchtend vom Boden empor,

Und zeigt mir jene Stelle,

Wo ich das Liebste verlor.

Heinrich Heine

Am Meer

Franz Schubert

Am Meer

Das Meer erglänzte weit hinaus

Im letzten Abendscheine;

Wir saßen am einsamen Fischerhaus,

Wir saßen stumm und alleine.

Der Nebel stieg, das Wasser schwoll,

Die Möwe flog hin und wieder;

Aus deinen Augen liebevoll

Fielen die Tränen nieder.

Ich sah sie fallen auf deine Hand,

Und bin aufs Knie gesunken;

Ich hab’ von deiner weißen Hand

Die Tränen fortgetrunken.

Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,

Die Seele stirbt vor Sehnen –

Mich hat das unglücksel’ge Weib

Vergiftet mit ihren Tränen.

Heinrich Heine

Der Doppelgänger

Franz Schubert

Der Doppelgänger

Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,

In diesem Hause wohnte mein Schatz;

Sie hat schon längst die Stadt verlassen,

Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.

Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe,

Und ringt die Hände, vor Schmerzens Gewalt;

Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe –

Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.

Du Doppelgänger! du bleicher Geselle!

Was äffst du nach mein Liebesleid,

Das mich gequält auf dieser Stelle,

So manche Nacht, in alter Zeit?

Heinrich Heine

Ihr Bild

Franz Schubert

Ihr Bild

Ich stand in dunkeln Träumen,

Und starrt’ ihr Bildnis an,

Und das geliebte Antlitz

Heimlich zu leben begann.

Um ihre Lippen zog sich

Ein Lächeln wunderbar,

Und wie von Wehmutstränen

Erglänzte ihr Augenpaar.

Auch meine Tränen flossen

Mir von den Wangen herab –

Und ach, ich kann es nicht glauben,

Dass ich dich verloren hab’!

Heinrich Heine

Der Atlas

Franz Schubert

Der Atlas

Ich unglücksel’ger Atlas! eine Welt,

Die ganze Welt der Schmerzen muss ich tragen.

Ich trage Unerträgliches, und brechen

Will mir das Herz im Leibe.

Du stolzes Herz, du hast es ja gewollt!

Du wolltest glücklich sein, unendlich glücklich,

Oder unendlich elend, stolzes Herz,

Und jetzo bist du elend.

Heinrich Heine

Die Podcasts

Susan Youens and Thomas Hampson discuss "Im Freien" D 880

Künstler

Thomas Hampson

Bariton

Wolfram Rieger

Klavier

Programm

Franz Schubert

Der Sänger D 149

Anna Amalia von Sachsen-Weimar

Auf dem Land und in der Stadt

Johann Rudolph Zumsteeg

Das Blümlein Wunderschön

Václav Jan Tomásek

Schäfers Klagelied

Carl Friedrich Zelter

Um Mitternacht

Ludwig van Beethoven

Maigesang op. 52/4

Johann Friedrich Reichardt

Beherzigung

Carl Loewe

Erlkönig op. 1/3

Carl Loewe

Über allen Gipfeln ist Ruh' op. 9/3a (Wandrers Nachtlied)

Franz Schubert

Erlkönig D 328

Franz Schubert

Der Wanderer an den Mond D 870

Franz Schubert

Das Zügenglöcklein D 871

Franz Schubert

Am Fenster D 878

Franz Schubert

Im Freien D 880

Franz Schubert

Das Fischermädchen D 957/10

Franz Schubert

Die Stadt D 957/11

Franz Schubert

Am Meer D 957/12

Franz Schubert

Der Doppelgänger D 957/13

Franz Schubert

Ihr Bild D 957/9

Franz Schubert

Der Atlas D 957/8

Zum dritten Mal widmeten sich auf Einladung von Thomas Hampson namhafte Liedsängerinnen und -sänger und die vielversprechendsten Talente der kommenden Generation gemeinsam mit ihren Klavierpartnern eine ganze Woche lang dem Schubert-Lied – auch unter Pandemiebedingungen.

Gemeinsam mit seinem langjährigen künstlerischen Partner Wolfram Rieger gestaltete Hampson in diesem Jahr ein Programm, das Schuberts Lieder (darunter Vertonungen von Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gabriel Seidl und Heinrich Heine) mit weniger bekannten Werken von Komponistinnen und Komponisten kontrastiert, die ihn inspirierten – oder von ihm inspiriert wurden.

Das Konzert mit anschließender interaktiver Gesprächsrunde wurde am Mittwoch, den 20. Januar um 20 Uhr per Livestream übertragen und bleibt für 30 Tage auf unserer Website kostenlos abrufbar.

Künstlerbiographien